Vollständige Version anzeigen : sicheres Verhalten von Anfängern (Sohlgleiten, Wehre, Stromschnellen, ...)
Im Wasserwanderatlas von Jübermann sind u.a. Sohlgleiten, Wehre, Stromschnellen eingezeichnet.
Wenn ich richtig verstehe, heißt das für mich als Einstiegs-Wanderpaddler mit Canadier, der bisher auf bekannten Strecken (Hamburger Kanäle, Ilmenau oder Elde) noch nie bewußt auf solche Hindernisse gestoßen ist, dass ich Wehre immer vorsichtshalber umtragen sollte?
Aber was ist sind Sohlgleiten und wie verhalte ich mich richtig?
Sollte ich Stromschnellen- auch kleinere- ebenfalls umtragen? (Kenne diese nur aus Skandinavien, da sind wir durchgepaddelt...Risiko zu hoch?)
Und wie gehe ich mit einem Gleiswagen/ Gleislore um? (Plön) - Einfach Canadier drauf, zur Einsatzstelle schieben und leer wieder zurück?
So viele -vermeidbare?- Unglücksfälle in der letzten Zeit stimmen mich nachdenklich...
Generell sollte nichts gefahren werden, was
a.) man nicht kennt ( also vorher mindestens besichtigen -> aussteigen !!)
b.) sich nicht sicher ist
Lieber 1 x zuviel umgetragen, als seine Leben lang tot :D
So einfach kann dir keiner einen Hinweis geben,
da keiner dein Fahrkönnen kennt.
Wobei Wehre immer eine besondere Gefahr darstellen,
denn so ein Rücklauf ist lebensgefährlich. Hinweise aus Flussführern, Reiseberichten oder Flussdatenbanken helfen auch schon weiter
Gruß Thomas
Wichtig auch lass dich niemals von anderen unter Druck setzen, befahre nur das was du dir nach realsitischer Einschätzung deiner Fähigkeiten zutraust. Fahre immer mit einer dem Bach angemessener Sicherheitsausrüstung, es ist nicht uncool eine Schwimmhilfe/-Weste, einen Schutzhelm zu tragen. Wenn du alleine oder mit anderen weniger Erfahrenen fährst sei um so vorsichtiger. Sammle Erfahrungen durch Übung und Nutzung der Hilfe und des Wissens erfahrener Kanuten. Wenn du in keinem Verein bist nutze die Kursangebote vom Verband oder von kommerziellen Anbietern.
Karlsson
08.07.2008, 08:48
... Hinweise aus Flussführern, Reiseberichten oder Flussdatenbanken helfen auch schon weiter...
Nicht wirklich, denn die Befahrbarkeit der Hindernisse ist wasserstandsabhängig und der kann ja ganz anders sein, wenn du fährst.
Da hilft nur eins: die Erfahrung mußt du dir im wahrsten Sinne des Wortes "erfahren". Das geht am besten mit erfahrenen Paddlern in der Gruppe. Dann kann eine schwierige Stelle abgesichert gefahren werden und vor allem, wenn du reingefallen bist und wieder am Ufer stehst, hast du etwas gelernt. ;)
Bei den Wehren hat der Thomas recht, alle künstlichen Einbauten sind tendenziell sehr gefährlich, weil nicht für Paddler gemacht und teilweise bösartig.
Natürliche Stromschnellen und Schwälle lassen sich gemäß der WW-Klassen einstufen und sind dann, je nach Fähigkeiten, befahrbar. Natur kann zwar gefährlich sein, ist in der Regel aber nicht bösartig.
Eine gute Möglichkeit, seine Fähigkeiten und Kenntnisse (Wasser "lesen") zu erweitern, sind Kurse in leichtem Wildwasser. Eine spaßige Sache für einen Kurzurlaub, in der Regel nicht besonders teuer.
Später hilft einem das Gelernte auch in der norddeutschen Tiefebene weiter, weil man sein Boot besser beherrscht und seinne Technik verbessert hat. Da steht man Dampferwellen und ähnlichem ganz anders gegenüber. Und selbst auf Flüssen wie Trave oder Warnow gibt es Stellen, die bei bestimmten Wasserständen als Wildwasser zu bezeichnen sind. Oft Stellen, an denen das Flußbett enger und damit die Geschwindigkeit höher ist. (Du kannst sicher sein, wenn der ganze Bach bislang knietief war und du an einer solchen Stelle reinfällst, ist es dort 2m tief... danach dann wieder flach...:D )
Viele Vereine, auch im Norden, haben "Spielstellen" an ihren Hausflüssen, die sich auch gut zum Üben eignen.
Auch hier wieder: abgesichert in der Gruppe. Wildwasserkenntnisse im Kajak helfen einem später auch im Canadier weiter.
Das ist eine Sohlgleite: http://de.wikipedia.org/wiki/Sohlgleite
Also tendenziell nicht besonders gefählich, kann aber, je nach Bauweise, sehr aufs Material gehen. Läßt sich oft treideln, wenn man nicht fahren kann und nicht umtragen möchte. Man kann auch in einer Steinschüttung mit wenig Wasser umkippen, verklemmen und Schlimmeres mehr.
Mit der Lore hast du recht, so geht es. Oft sind diese Dinger sehr schwer und/oder schwergängig. Der eigene Bootswagen im Boot ist oft besser.
Gruß
Karlsson
Chillosaurus
09.07.2008, 14:06
Die Hinweise im Bootsführer sind meistens auch Wasserstandsabhängig. Da steht dann beispielsweise: bei HW RÜcklauf !!! oder bei NW evtl. befahrbar etc...
Als Anfänger würde ich auf jeden Fall bei allem, was als unfahrbar geschildert ist die Pfoten von lassen. Auch die evtl. fahrbaren Dinger könnten noch zu schwierig sein - gerade im Kanadier, da man nur auf einer Seite Stützen kann. Für alles andere gilt gucken und überlegen, bzw. vergleichen mit Stellen, die als unfahrbar deklariert sind, um so die Fahrbarkeit abschätzen zu können. Zur Not aussteigen, um die Stellen genauer begutachten zu können.
Die Hinweise im Bootsführer sind meistens auch Wasserstandsabhängig
Nicht wirklich, denn die Befahrbarkeit der Hindernisse ist wasserstandsabhängig und der kann ja ganz anders sein, wenn du fährst.
Die Hinweise beziehen sich ja nicht nur auf die Befahrbarkeit der Einbauten,
sondern auch darauf, ob eine Bootsrutsche oder Umsetzhilfe bzw. auch nur darauf, auf welcher Seite gut umgetragen werden kann :cool:
Gruß Thomas
Jörg Wagner
10.07.2008, 17:25
Hallo Chilo..
Auch beim Kajak kann man simultan nur auf einer Seite stützen (jedenfalls im Einer) Ansonsten steht dem versierten Kanadierpiloten die flache und die hohe Paddelstütze zur Verfügung, die flache bei Kentergefahr zur Arbeitsseite, die hohe beim Gegenteil, beide kann man blitzschnell wechseln, wenn man den "palm-roll" beherscht. Nur weniger versierte Kanadierfahrer bzw. Kajaker, die nicht beide Stützen beherrschen, müssen sich mit wechselseitigen flachen Paddelstützen behelfen.
Jörg Wagner
Chillosaurus
10.07.2008, 20:56
Auch beim Kajak kann man simultan nur auf einer Seite stützen [...]
Da hast du mich anscheinend falsch verstanden. Ein Übergriffhang kann man von 'nem Beginner nicht erwarten, wenn ich mich nicht irre.
Chillosaurus
10.07.2008, 20:58
Die Hinweise beziehen sich[...]darauf,auf welcher Seite gut umgetragen werden kann
[...]
Das ist aber eher zweitrangig.
Das ist aber eher zweitrangig.
Wieso :confused:
Ein unerfahrener Kanute fährt an eine Wehranlage und möchte diese Besichtigen.
Wo steigt er aus und kommt an Land :confused:
Das ist er einmal vorrangig, da einem unerfahrenen Kanuten von einer Besichtigung aus dem Boot abgeraten werden muss !!!!!!!
Gruß Thomas
Chillosaurus
11.07.2008, 18:46
Wieso :confused:
Ein unerfahrener Kanute fährt an eine Wehranlage und möchte diese Besichtigen.
Wo steigt er aus und kommt an Land :confused:
[...]
Vor der Anlage.
Er steigt da aus, wo er aussteigen kann. Dafür brauch man keinen Führer. Das kann der eh nicht wissen. Beispiel: Rennboot vs. Schlauchboot.
Rennboot kann nur bei bordhohem Steg anlegen, vom Schlauchboot kann man auch 'ne 1,5 m Spuntwand hochklettern.
Am Beispiel eines Kajaks:
-man sieht/hört die Gefahrenstelle
-fährt ans Ufer
-steigt aus (wahlweise am Steg oder einfach in die Büsche oder auf den Steinen)
-zieht das Kajak an Land oder macht es fest
-latscht zur Gefahrenstelle
-und guckt sich diese an
-Wehre würde ich immer umtragen, lebensgefährlich die Dinger, einen kleinen Schwall o.a. nach realistischer Einschätzung der eigenen Fähigkeiten umtragen oder befahren
-man handelt wie vorher beschlossen und fährt durch oder trägt um...
Das war jetzt die Anleitung, bei der man wenig vergessen kann...
lg
Chillosaurus
12.07.2008, 09:41
Entscheidend für eine Befahrbarkeit ist nicht die Höhe des Hindrnisses, sondern die Beschaffenheit des Unterwassers und die Wassermenge. Auch Schwellen von nur 50 cm Höhe können lebensgefährliche Rückläufe bilden.
Ich glaube es ist schon genannt worden,
aber denke auch, dass die eine Besichtigung, die schon einige Tage oder gar Wochen zurückliegt, genauso wenig bringt, wie ein Wanderatlas, der dort eine Schwierigkeit anzugeben versucht...
Es kommt auf den Wasserstand an, der, durch einige Regenfälle verändert, auch einen vermeintlich harmlosen Bach zu einer echten Herausforderung werden lässt.
Karlsson
12.07.2008, 17:29
...Es kommt auf den Wasserstand an, der, durch einige Regenfälle verändert, auch einen vermeintlich harmlosen Bach zu einer echten Herausforderung werden lässt.
Und umgekehrt! bin schon in Frankreich einen 5er Bach gepaddelt, der durch Wasserstand nur 2-3 war und somit meinen Fähigkeiten entsprach. Die 5 kommt durch felsige Schluchten, schwer zugänglich und so war die "harmlose" Befahrung ein tolles Erlebnis.
Eine der schwersten Stellen war eine scharfe S-Kurve mit anschließender flacher Steinbrücke und 1m-Absturz direkt darunter. Sah nicht schlimm aus. Da kann man sich leicht verschätzen, wenn man nicht weiß, wie groß die Klemmgefahr ist. Die Stelle ist nur 2m breit, aber Rettungsmöglichkeiten gleich null!
Der Flußführer hat aber vor der Stelle gewarnt, gut beschrieben und dann kann man sich schon die Karten legen...
Also, immer aktuelle Guides und Karten dabeihaben, sich an Schwierigkeiten herantasten und im Zweifel lieber Umtragen, selbst wenn's mühsam ist.
Habe eine schwere Stelle an anderem Bach mühsam auf rutschigem Pfad an Felswandumtragen, Boot ins ruhige Unterwasser abgeseilt und hinterhergesprungen. Umtragen geht also (fast) immer!
Und das stand dann nicht so im Flussführer...
Karlsson
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