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Vollständige Version anzeigen : Aufblasbare Feststoff-Rettungsweste: KOKATAT Sea02


Udo Beier (DKV)
09.12.2008, 21:08
Ahoi!

Alles kommt mal wieder, so z.B. auch eine Rettungsweste mit Feststoffteil. So um 1980 entwarf Jürgen Pietsch, der Konstrukteur der Habel-Seekajaks mit integrierter Steueranlage, zusammen mit SECUMAR solch eine Weste. Sie sah aus wie eine Rettungsweste mit per CO2-Patrone aufblasbarem Schlauch. Die Stoffpartie hinter den Schläuchen bestand dabei zusätzlich aus einem Feststoff-Auftriebskörper.

Nun wird im OCEAN PADDLER (12/08) eine US-amerikanische „Hybrid-Rettungsweste“ vorgestellt, und zwar:

Kokatat Sea02 (mit 3,4 kg Feststoffauftrieb zzgl. 6,8 kg Auftrieb, der halbautomatisch per CO2-Patronen aufgeblasen wird = 10,2 kg Gesamtauftrieb) inkl. 2 Taschen;
Sie sieht wie eine Feststoffschwimmweste aus, in die ein halbautomatisch aufblasbarer Schwimmkörper integriert ist. Leider fehlt in dem Beitrag ein Foto von einem im Wasser treibenden Kanuten, der diese Weste mit aufgeblasenem Schwimmkörper trägt!?

Bevor etwas über die Leistungsfähigkeit dieser Weste gesagt wird, sollen kurz die für Europa geltenden Empfehlungen (Euro-Normen) für den Auftrieb von Schwimmhilfen bzw. Rettungswesten vorgestellt werden (sog. „Schutzklassen“):

www.secumar.com/secumar/d/info/info_schutzklassen.html (http://www.secumar.com/secumar/d/info/info_schutzklassen.html)

Auftriebsklasse 50 Newton (N) (ca. 5 kg) = Schwimmhilfe (für geübte Schwimmer in Nähe zum Ufer oder möglicher Helfer);
Auftriebsklasse 100 N (ca. 10 kg) = Rettungsweste (für Nutzer in Binnengewässern und geschützten Revieren);
Auftriebsklasse 150 N (ca. 15 kg) = bedingt ohnmachtssichere Rettungsweste (für Nutzer in allen Gewässern; ohnmachtssicher, sofern keine schwere, wetterfest Kleidung getragen wird);
Auftriebsklasse 275 N (ca. 27,5 kg) = ohnmachtssichere Rettungsweste (für Nutzer auf hoher See unter extremen Bedingungen, in fast allen Fällen ohnmachtssicher).
In dem OP-Beitrag finden wir wohl den Hinweis, dass für Schwimmwesten ein Mindestauftrieb von 50 Newton (N) (ca. 5 kg) empfohlen wird, und die Anmerkung, dass eigentlich ein Auftrieb von mindestens 150 N (ca. 15 kg) als erforderlich angesehen wird. Vergeblich suchen wir jedoch eine Info darüber, welchen Auftrieb die Kokatat Sea02 hat. Die ob genannten Daten von 34 N (ca. 3,4 kg) Feststoffauftrieb und 68 N (ca. 6,8 kg) zusätzlich auslösbarem Luftauftrieb werden nicht im OP-Betrag genannt, sondern auf der Hompage von Kokatat gebracht:

www.kokatat.com/product_detail.asp?code=sea (http://www.kokatat.com/product_detail.asp?code=sea)

Daraus können wir ableiten, dass die Kokatat Sea02 über einen Gesamtauftrieb von 102 N (ca. 10,2 kg) verfügt, der genau in der Mitte zwischen Schwimmhilfe (50 N) und bedingt ohnmachtssicherer Rettungsweste (150 N) liegt. Auch fehlt in dem OP-Beitrag – was die Vergleichbarkeit wesentlich erleichtert - ein Hinweis, wie hoch der Auftrieb konventioneller Feststoffwesten ist (ca. 6,8 kg (?)).

Übrigens, der aufblasbare Auftrieb für die Kokatat Sea02 wird von einer CO2-Patrone (mit 16 g Treibmittel) (immerhin wird eine Reservepatrone mitgeliefert) erzeugt. Bei den üblichen 150-N-Rettungswesten (z.B. von SECUMAR) werden CO2-Patronen (mit 32 g) eingesetzt, die einen Auftrieb von 170 N (? 17 kg) erzeugen.

Ich meine, dass diese Daten uns helfen können, die Leistungsfähigkeit dieser Hybrid-Weste einzuschätzen, d.h. sie bietet mehr Auftrieb (= 102 N) als die konventionellen Feststoffschwimmwesten (= ca. 68 N), aber weniger Auftrieb als die bedingt ohnmachtssicheren Rettungswesten (= 170 N).

Was wird sonst so über diese Weste geschrieben:

sie verfügt über 2 Taschen, und zwar eine für ein UKW-Sprechfunkgerät bzw. Handy und eine zweite für sonstige kleinere Gegenstände);
sie trägt im unaufgeblasen Zustand kaum auf und behindert einem nicht beim Schwimmen im Wasser;
sie rutscht – wie alle Schwimmwesten ohne Schrittgurt - bei längeren Schwimmpassagen langsam über den Kopf.
sie ist wie alle Schwimmwesten nicht ohnmachtssicher.
Nicht zu finden im Beitrag ist jener Aspekt, dass der Rückenteil der Weste aus Netzstoff besteht und dadurch nicht nur nicht aufträgt, sondern auch sehr leicht & luftig ist, was gerade an warmen Tagen von Vorteil ist. Außerdem dürfte dies für jene von Vorteil sein, die sich beim Rollen nach hinten legen:

www.paddling.net/Reviews/showReviews.html?prod=1890 (http://www.paddling.net/Reviews/showReviews.html?prod=1890)

Gruß aus Hamburg:

canutus
10.12.2008, 18:00
Auf die Gefahr hin - von McLane wieder eins auf die Rübe zu bekommen - antworte ich trotzdem hier mal:
Hybrid-Westen sind in den USA schon länger im Markt - nur war für Recreational Boating keine "Coast Guard Approved", da die Coast Guard Freizeitschipper für zu blöde hielt, so eine aufblasbare Weste richtig zu bedienen - es gab sie nur für Professionals. Seit 1996 sind die da dann umgeschwenkt, da man sah, dass die Inflatables die Trageakzeptanz erhöhten.
(dazu auch hier: http://www.boatsafe.com/nauticalknowhow/inflate.htm oder das hier: http://www.boatsafe.com/nauticalknowhow/pfdbasics.htm
Wer den Seakayaker aufmerksam las, konnte vor vielen Jahren schon dazu Bemerkungen lesen.

Bei Anglern und anderen Wassernutzern gab es solche Hybriden z.B. ausgestattet mit tausend Taschen für Haken, Fliegen und anderen Anglerkrimskrams. Der dümpelte dann auf seinem Inflatable Floatable Armchair übern Teich und wenn den dann ein dicker Fisch vom Hocker riß, konnte er dann dank Hybrid PFD weiter dümpeln....(Quellen für solch Equipment war z.B. der berühmte LLBean in Freeport, Maine)

Übrigens - interessant ist das hier: http://kajakwoerden.blogspot.com/2007/05/co2-inflated-lifejackets-warning.html (Das kann man sicher mal wieder mit 10 Punkten versehen)
Han and Arie Kreuk sent a safety warning yesterday concerning the use of CO2 inflated lifejackets with seakayaking. Because it's of general interest, I republish it here. Han and Arie reported of an accident two weeks ago with a paddler wearing an inflatable lifejacket. As the paddler capsized, the lifejacket was immediately automatically inflated -> before the paddler was able to leave his cockpit. As a result of this, the buoyancy of the lifejacket pushed him (under water, upside down) against the rear deck of the kayak. He had a great struggle getting out. It was a narrow escape.
Han and Arie concluded that using an automatically inflatable lifejacket is potentially dangerous in kayaking.

Only a few Dutch seakayakers use an inflatable lifejacket. As a matter of fact: I never met a Dutch seakayaker using one (and I come along quit a lot in the Dutch seakayak-scene ;-). In Germany and Denmark I have seen some seakayakers using one, but still a minority. Inflatable lifejackets offer obvious pros though:
- a giant flotation capacity, it's a real lifejacket that keeps the wearer independently floating face out of the water, even if unconscious;
- comfortable and compact to wear;
- great free body movement;
- due to mass production really affordable.
(Though the CE-standards order an automatic release within 10 seconds after immersion, most inflatable Lifejackets can also be manually operated, or the automatic system can be disabled)

Yet I personally stick to my classic kayak-PFD. It's not only a flotation device but also:
- an always present body warmer (only on really hot days that's a minus);
- my personal crash zone: 3 cm of foam offers a lot of protection against the impact of seakayak-bows, paddle-tips and so on;
- the perfect place to stow away a lot of little gear (I like a lot of pockets on the PFD);
- a hydration device (with a camelback in the rear pocket);
- and it requires hardly any maintenance.

There are a lot of different kayak-PFD's on the market. But it's difficult to find one that matches all wishes (compact, not bulky ergonomic design, useable front-pockets, big rear, pocket, zipper in the front, etc.). The result is always a compromise..... Mehr im Blog, der auch Kokatats Hybird erwähnt...

Dieses File gibt auch interessante Insights der Denkweise in den USA
http://www.a09114.uscgaux.info/documents/InflatableLifeJacketBasics.pdf

Und Suchen bringt weitere Erkenntnisse: Google Hybrid inflatable life west (http://www.google.de/search?hl=de&client=firefox-a&rls=org.mozilla:de:official&q=hybrid+inflatable+life+vest&start=0&sa=N)

....der canutischen Knutt

McLane
11.12.2008, 06:42
Möchtest du denn für diesen Beitrag eins auf die Rübe bekommen :D ? Damit kann ich dir dann aber nicht dienen. Denn moderative Eingriffe gibts nur bei Verstößen gegen die Foren Regeln.

Udo Beier (DKV)
11.12.2008, 10:12
Ahoi!

Nun, auch ich habe dieses Mal nichts an Canutus Aussagen auszusetzen, außer dass es eigentlich nicht nötig gewesen wäre, im Ausland herumzugooglen und uns – das sollte doch eigentlich unserem Wolfgang von der Küste vorbehalten bleiben – mit LINKS zu bombardieren, nur um uns etwas über halb- und vollautomatische Rettungswesten sagen zu wollen, worüber ich doch schon 2003 in meiner „unnachahmlichen“ Gründlichkeit in dem Beitrag:

„Schwimmweste oder Rettungsweste:
Was ist geeigneter fürs Küstenkanuwandern“

Stellung bezogen hatte, wohl nicht auf englisch, dafür aber hier auf der DKV-Homepage:

www.kanu.de/nuke/downloads/Rettungsweste.pdf (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Rettungsweste.pdf)

Dort hatte ich für Feststoff-Schwimmwesten 4 Vorteile und 7 Nachteile (10+1)und für aufblasbare Rettungswesten 5 Vorteile und 8 Nachteile (10+3)aufgezeigt.

Bei den Rettungswesten führte ich gleich an erster Stelle den folgenden Nachteil an:

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„Fehlender Auftrieb bei "halbautomatischen" Westen: Rettungswesten liefern im unaufgeblasenen Zustand keinen Auftrieb, den manche benötigen, um sicher aufrollen bzw. sich über Wasser halten zu können. Das können nur "vollautomatische" Rettungswesten leisten, die aber nicht für das Küstenkanuwandern empfohlen werden können, da schon Spritzwasser genügen kann, um die Aufblasautomatik auszulösen. - Folglich kommen nur Rettungswesten mit Handauslösung in Frage, bei der per Handzug eine Kohlendioxid-Patrone geöffnet wird, sodass das entweichende Gas innerhalb weniger Sekunden den Schwimmkörper aufblasen kann. Werden wir jedoch nach Kenterung durch "Kälteschock", Ohnmacht oder Verletzung am manuellen Auslösen der Aufblasautomatik gehindert, kann es kritisch werden. Feststoff-Schwimmwesten sorgen in solch einer Situation zumindest dafür, dass wir nicht untergehen. Wer jedoch beim Paddeln stets einen Neo- bzw. Trockenanzug trägt, braucht sich diesbezüglich weniger Gedanken zu machen, da beide Bekleidungsteile genügend Auftrieb liefern.
Übrigens, manche Hersteller (z.B. Secumar) ermöglichen es, die Aufblasautomatik zu deaktivieren bzw. zu aktivieren. Letzteres ist bei Touren unter 10° C Wassertemperatur empfehlenswert, sofern kein spritzender Seegang herrscht, um auf diese Weise den möglicherweise tödlichen Folgen eines Kälteschocks vorzubeugen.“

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Nicht nur ich meine: „Eine Gefahr, die man kennt, ist keine Gefahr!“ Wenn die in dem niederländischen Link erwähnten Kanuten Ende April mit einer vollautomatisch auslösbaren Rettungsweste paddeln, zeugt das nicht von großen Erfahrungen in Sachen Küstenkanuwandern; denn schon ein 20-cm-„Brecher“ reicht aus, den Aufblasvorgang auszulösen. Insofern taugt dieses Beispiel nicht als Warnung gegen halb-automatische Rettungswesten, sondern eher als Warnung davor, zu Beginn seiner Karriere als Küstenkanuwanderer nicht ohne Begleitung erfahrener Kanuten aufs Meer hinaus zu paddeln.

Ebenfalls spricht der Sachverhalt, dass es anscheinend in den Niederlanden fast keine Küstenkanuwanderer gibt, die mit solch aufblasbaren Rettungswesten paddeln, nicht gegen solche Westen. Vielmehr hat das etwas mit

* „Gruppenzwang“,
* „Seekajakmode“
* „falscher Prioritätensetzung“ zu tun, also damit, dass mancher Küstenkanuwanderer es halt höher gewichtet, dass seine Weste möglichst viele Taschen hat, als dass sie (bedingt) ohnmachtssicher ist.

Übrigens, Vergleichbares können wir auch bei Skeg-Seekajaks erleben. Lediglich der dritte Punkt erfährt eine andere Begründung:

* Mancher Küstenkanuwanderer gewichtet halt ein elegantes Heck höher, als ein effizientes Steuer.

Außerdem kommt noch ein vierte Punkte hinzu:

* „Prestige“: Seht her, ich bin in der Lage, ein Skeg-Seekajak zu paddeln.“

Gruß aus Hamburg: