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Vollständige Version anzeigen : Wasserwiderstand contra Geschwindigkeit


Udo Beier (DKV)
04.03.2007, 11:15
Ahoi!

Seit 1993 führt die US-amerikanische Zeitschrift SEA KAYAKER Tests von Seekajaks durch, und zwar i.d.R. 2 Tests je Heft. Die dabei veröffentlichten Daten über einzelne Eigenschaftsmerkmale werden u.a. von Matt Broze mit Hilfe von Berechnungsmodellen (hier: Taylor Standard Series) per Computer ermittelt.

Die Daten über den Wasserwiderstand von Seekajaks in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit (hier: 3,7 – 5,6 – 7,4 – 8,3 – 9,3 – 11,1 km/h) werden im Folgenden Link u.a. für 100 Kajaks, die mindestens 460 cm lang und maximal 62 cm breit sind, tabellarisch vorgestellt und ausgewertet:

www.kanu.de/nuke/downloads/Resistance.pdf (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Resistance.pdf)

Bei den Berechnungen wird eine Beladung von 113,4 kg angenommen.

Interessant an diesen Daten ist Folglendes:

(1) Die Unterschiede beim Wasserwiderstand in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit sind für die Seekajaks, die i.d.R. an der Küste eingesetzt werden (hier: mindestens 460 cm lang und maximal 62 cm breit), gar nicht so groß, zumindest trifft das für jenen Geschwindigkeitsbereich zu, der üblicherweise auf einer Küstentour gepaddelt wird:

Bei 3,7 km/h beträgt die Wasserwiderstands-Differenz max. 0,12 kg;
bei 5,6 km/h = 0,17 kg;
bei 7,4 km/h = 0,48 kg;
bei 8,3 km/h = 0,69 kg;
bei 9,3 km/h = 1,82 kg;
bei 11,1 km/h = 3,20 kg.

(2) Bei den insgesamt 100 untersuchten Seekajaks ist die max. Wasserwiderstands-Differenz bis 7,4 km/h (hier: max. 0,48 kg) relativ zur Wasserwiderstands-Differenz bei 11,1 km/h (hier: 3,20 kg) praktisch vernachlässigbar klein. D.h. wenn wir uns ein Seekajak dieser Größendimension kaufen möchten und sowieso nicht gewillt sind, schneller als 7,4 km/h zu paddeln, sollte für uns jedes andere Eigenschaftsmerkmal eines Seekajaks wichtiger sein, als das Kriterium „Leichtlauf“ bzw. „Rumpfgeschwindigkeit“, vorausgesetzt das gewünschte Seekajak ist länger als 460 cm und nicht breiter als 62 cm.

(3) Möchten wir uns ein „typisches“ Seekajak kaufen (zwischen 500-550 cm lang und max. 58 cm breit) so könnten wir sogar davon ausgehen (Basis: 63 Seekajaks), dass bis 8,3 km/h die Wasserwiderstand-Differenzen vernachlässigbar klein sind (hier: max. 0,42 kg), d.h. erst wenn wir schneller als 8,3 km/h paddeln möchten, sollten wir beim Kauf eines Seekajaks darauf achten, ob es nicht auch welche gibt, dieein wenig schneller vorwärts zu bewegen sind.

(4) Zu berücksichtigen ist bei dieser Dateninterpretation jedoch, dass diese Wasserwiderstandsdwerte sich auf Flachwasserbedingungen beziehen. D.h. beim Paddeln durch den kabbligen Seegang, beim Gegenwindkurs bzw. bei achterlichem Wind kann es durchaus sein, dass diese Wasserwiderstandswerte für einen Kanuten einer bestimmten Leistungsfähigkeitt gar keine Relevanz mehr haben.
Z.B. hat der „FB 2000 Moskito“ (562x44 cm) (Nelo) den zweitniedrigsten Wasserwiderstandswert bei 11,1 km/h (= absolut 4,79 kg). Aber das bedeutet noch längst nicht, dass wir bei kabbligem Seegang dieses Tempo auch erreichen können bzw. überhaupt schneller sind, als z.B. mit dem „Avocet“ (492x56 cm) (PE) (Valley), der bei 11,1 km/h einen Wasserwiderstandswert von absolut 7,03 kg hat.
Übrigens bei 7,4 km/h haben beide Seekajaks einen Wasserwiderstand von absolut 1,70 kg.:eek: D.h. mit dem „Moskito“ kommen wir erst so ab 9,3 km/h auf Touren, und das auch nur dann, wenn wir die Kraft & Kondition haben, auf längere Zeit den Wasserwiderstand von absolut 2,89 kg zu überwinden.

Gruß aus Hamburg:

fooboot
19.05.2007, 11:24
Sorry.

Jetzt muß ich mal ganz dämlich fragen:
Lettmann-Boote sind doch nicht ganz selten. gelten die denn als untauglich für's Seekajakfahren? Ich finde keine in der Liste.
(Nein, ich habe kein Lettmann, habe auch mit denen sonst nichts zu tun. Wäre nur für den Vergleich interessant, werden bei uns in der Gegend viel gefahren.)

M.

Ralf Schmidt
19.05.2007, 21:07
Hi Udo,
nachdem mich letzte Woche auf den 133km bei der Rheinleistungsfahrt mit einem Cruiser überholt hat habe ich meine Schätzung der 40% Boot, 60% Paddler auf max. 20% Boot und 80% Paddler geändert. Dazu sind Training/Kraft ebenfalls weit runter gerutscht, dafür die Technik noch weiter hoch. Einige "ältere Semester" haben die Distanz dermassen entspannt zurückgelegt dass ich wirklich an mir zweifeln musste. Und dann noch die Zweier, selbst die fetten Pötte mit Volumen bis zum Abwinken - tse tse tse, da war mein armer 6,5m Outrigger mit mir drin ganz schön im Nachsehen.
Naja, es war meine erste Tour in der Länge, trotzdem wurde mir dabei einiges klar. Ein schönes Boot ist schön, und schnelle Paddler paddeln schnelle Boote, aber auf kg bei x km/h lässt sich das Ganze System nicht reduzieren.

Bis dann,
Ralf Schmidt

KajakFun
19.05.2007, 21:32
Hi Ralf,
Rennboote verleiten eben zum zu schnell Fahren :)
Da die Fahrer-Leistung nur zur 3. Potenz mit der Fahrtgeschwindigkeit ansteigt :eek: ist auf Dauer schnell Ende mit Lustig.
Wer anfangs überpowert muß hinterher büssen. :D
Besonders grausam ist es, wenn man dann von der einer alten Oma im Robson Krokodil überholt wird. ;)

Ralf Schmidt
21.05.2007, 08:01
Hi KFun,
ich habe es eher entspannt angehen lassen und erst später etwas aufgedreht. Ich kam an die Gruppe auch 1/2wegs ran, aber eben nicht ganz, und ich war richtig fertig danach.
Der Nachteil bei den langen Pötten ist eben dass sie erst bei höheren Geschwindigkeiten ihre Vorteile ausspielen können, bei niedrigeren, wie ich sie auf solchen Strecken halten kann, überwiegt dann die Oberflächenreibung.
Wie dem auch sei, ohne Training geht nix, da kann man machen was man will.

Bis dann,
Ralf Schmidt

Udo Beier (DKV)
21.05.2007, 22:06
Ahoi!

Hier im DKV-Forum wurde am 19.5.07 Folgendes nachgefragt:

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Sorry.

Jetzt muß ich mal ganz dämlich fragen:
Lettmann-Boote sind doch nicht ganz selten. gelten die denn als untauglich für's Seekajakfahren? Ich finde keine in der Liste.
(Nein, ich habe kein Lettmann, habe auch mit denen sonst nichts zu tun. Wäre nur für den Vergleich interessant, werden bei uns in der Gegend viel gefahren.)

M.

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Nun, die von mir ausgewerteten Wasserwiderstandswerte sind von der us-amerikanischen Zeitschrift SEA KAYAKER veröffentlicht worden: www.seakayakermag.com (http://www.seakayakermag.com)

Diese Zeitschrift testet nur Seekajaks, die in Nordamerika angeboten werden. Da Lettmann-Seekajaks dort wohl nicht erhältlich sind, werden diese auch nicht in die SK-Tests miteinbezogen.

Auch mich würde es interessieren, wie Lettmann-Seekajaks bei solchen Tests abschneiden würden. Geht ihnen doch der Ruf voraus, dass sie nicht nur seetüchtig, sondern auch schnell sein sollen, zumindest wenn ein Rennfahrer damit paddelte.

Gruß aus Hamburg: