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Vollständige Version anzeigen : Gleichgewicht halten


odium
17.03.2007, 12:22
Hallo,
ich bin heute zum ersten Mal seit 5 Jahren wieder in ein Kajak gestiegen und habe bei einem Anfängerkurs mitgemacht.
Wir hatten auf Grund von Wind leichten Wellengang.
Dabei sind 2 Probleme aufgetreten:
1. Nach einigen Meter ist mein Boot zur Seite ausgebrochen. Ich bin mir 100%ig sicher das ich auf beiden Seiten gleich stark gepaddelt habe.
2. Ich bin in 1 1/2 Stunden etwa 6 mal umgekippt. Aber sonst niemand, obwohl noch ein paar Anfänger dabei waren.

Ich bin etwas verwirrt, weil ich schon in der Schule ein halbes Jahr Kajak fahren als Sportkurs hatte und da keine Probleme aufgetreten waren. Außerdem fahre ich öfter Kanu und habe auch da nie Probleme.

Ich bin recht groß (2 m) und das Kajak war recht eng für meine Beine und etwas kurz. Könnte es sein, dass es für mich zu klein war und dadurch der Schwerpunkt sehr ungünstig war?
Wäre super, wenn mir jemand einen Tipp geben könnte, weil es mir eigentlich riesen Spass macht.

Grüße
Christoph

Chillosaurus
17.03.2007, 17:09
Dass das Boot zur Seite ausbricht, kann bei Wind immer mal sein. Das muss nicht heißen, dass du ungleichmäßig paddelst. Es ist einfach etwas schwerer den Kurs zu halten - besonders mit kleinen, kurzen Booten-.

Bei größeren Menschen ist der Schwerpunkt generell etwas höher. Das heißt aber nicht, dass es großen Leuten nicht möglich ist nicht umzukentern. Durch die langen Beine und das kleine Boot entsteht ein Super Kontakt zu ihm. Dadurch übertragen sich die kleinsten Bewegungen direkt auf dein Schiff. Das führt zum einen dazu, dass du, wenn du leicht wacklig bist, leichter reinfällst, aber wahrscheinlich auch, dass du das Reinfalle durch entsprechende Ausgleichsbewegungen besser verhindern kannst, wenn du das 'raus kriegst.

Du sagst du hast in der Schule zuvor gepaddelt. Wenn ich davon ausgehe, dass du damals noch ziemlich jung warst, können sich deine Probleme unter anderem auch dadurch erklären, dass du seitdem stark gewachsen bist und so die Hebelverhältnisse sich total verändert haben, dass du das Paddeln fast neu lernen must.

Das heißt natürlich auch, dass du das auch wieder hinkriegen kannst.
Ich würde dir Empfehlen:
1. mit relativ breitem Boot mit flachem Unterschiff zu beginnen
2. im SChwimmbad noch mal genau ausprobieren, wie das Boot auf deine Bewegungen reagiert, wann die Situationen entstehen, wo du kenterst, wann das Boot beginnt zu kippen etc.
3. weiter koordinative Übungen machen: balancieren, turnen (Bodenturnen: Waage etc. sieht scheiße aus, ist aber super für das Körperbewusstsein. Kampfsport häufig auch) aber auch alle andern Geräte.
4. auf dem Wasser auf immer schmalere Boote umsteigen, so dass du gerade nicht kenterst.

Wenn du paddeln möchtest und es noch nicht hinkriegst, das dein Boot richtigrum auf dem Wasser liegt, dann würde ich mir einfach mal übergangsweise 'nen Ausleger aussuchen.

Nicht aufgeben! Kopf oben halten(;-)), da es nicht von Heute auf Morgen klappt.

Viel Glück!

Werner Schmiedel
17.03.2007, 22:13
Hai Odium,

also, ich würde zunächst mal sagen um was für Kajaks es sich überhaupt handelte, also Hersteller und Modell, dann bekommst du sicher auch spezielle Antworten.

der Werner

odium
18.03.2007, 11:28
Chillosaurus: Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich werde mal schauen, ob dort noch ein breiters Boot vorhanden ist. Von der Größe hat sich zur Schulzeit nicht mehr soviel geändert, aber ist natürlich schon ein paar Jahre her.

Werner Schmiedel: Ich werde mal nachschauen, wenn ich nächstes mal da bin. Habe da leider nicht drauf geachtet.

Ralf Schmidt
19.03.2007, 08:37
Hi Christoph,
das Kajak selbst ist natürlich immer ein Faktor. Mit einem richtig scharfen Teil würdest Du noch nicht mal vom Steg wegkommen! Mit 2m und kippelig - jain, der Schwerpunkt kommt natürlich höher, wenn's mal geht ist das kein Problem mehr, aber zum Einstieg sollte es schon ein entsprechendes Boot sein.
Hast Du die Möglichkeit andere Boote auszuleihen/zu fahren?
Mit dem Wegdrehen: Auch hier kann das extrem vom Boot abhängen, ein kurzes WW oder Kleinflussboot ist darauf ausgelegt sehr leicht und schnell zu drehen. Das geradeaus zu fahren bedarf schon einiger Übung. Mit meiner ersten Banane hat es mich etwa 2 Wochen gekostet bis ich den Bach nicht wie sturzbesoffen in Schlangenlinien gefahren bin. Dafür lernt man das Geradeauspaddeln ;)
Andere Boote sind das absolute Gegenteil, fahren stur geradeaus, Kurswechsel sind nur mit Kraft und/oder guter Technik machbar.
Ich würde mir an Deiner Stelle ein Boot ausleihen mit dem die Meisten gut zurecht kommen, nix extrem enges, breites, kurzes, langes sondern ein 08/15 Wanderboot. Wenn es damit klappt kannst Du immer noch etwas spezielleres Fahren, dann weißt Du aber erstmal dass es nicht an Dir liegt.
Bis dann,
Ralf Schmidt

Markus
19.03.2007, 18:20
Hi Christoph, ich hoffe man hat dich nicht gleich versucht in eine Rennboot zu setzen. Ist mir als jugendlicher Anfänger so gegangen. Nach 5 Mal Training und 30 mal Umkippen hätte ich beinahe die Lust verloren. Gut ist es wenn du mit breiteren Botten beginnst. Wie oben erwähnt 08/15 Wanderboote. Die kürzeren der "breiteren" drehen aber viel leichter. Achte nochmal beim nächsten Mal auf die Bootsbezeichnung.
MfG Markus

Albert
22.03.2007, 07:45
Moin,
wie ist es denn mit Deinem Gleichgewichtssinn?
5 mal nacheinander ist schon heftig.
Albert

Ralf Schmidt
22.03.2007, 09:04
Hi Albert,
wie - Du kannst nicht 5 mal hintereinander? :D
Aber: Hast Du schon mal z.B. in einem Rennboot gesessen? Da ist das normal am Anfang.
Wenn es ihn natürlich 5x aus einem Prijon Kodiak geworfen hat müsste er sich schon Gedanken machen.

Bis dann,
Ralf Schmidt

Albert
22.03.2007, 18:19
Moin,
aber ich kann mit dem Motorad an der Ampel stehen bleiben und lasse die Füsse auf den Rasten wärend der Rotzeit.
Auf den kleinen Bächen und Tagesfahrten ein Hahn Slalom C1 von 1972.
Als Wanderboot ein C2 Abfahrtskanadier von Rook-Schmidt von 1982.
Gepaddelt wird nur im knien.
Kentern kein Problem aber 5 mal hab noch nie geschaft. Aber ich arbeite daran.
Habe ich aber mal mein Paddel verloren fehlt mir dann doch die Balancierstange.
Gruß Albert

odium
23.03.2007, 02:10
Vielen dank für die vielen Antworten.

Ralf Schmidt: Die haben noch mehr Kajaks, aber ich bin mir nicht sicher, ob da noch welche dabei sind, wo ich reinpasse.

Albert: Bisher habe ich noch keine Probleme mit dem Gleichgewicht gehabt.

Morgen geht es wieder zum Kajak fahren, dann werde ich mal versuchen mir den Hersteller und das Modell zu merken oder notfalls ein Foto davon machen.

odium
24.03.2007, 15:33
So heute war ich wieder paddeln und diesmal lief es ohne Probleme.
Ich habe ein etwas breiteres Kajak genommen und trotz mehr Wind/Wellen, gab es keine Situation in der ich Probleme mit dem Gleichgewicht hatte.
Vielen Dank für die vielen Tipps.

Ralf Schmidt
26.03.2007, 08:39
Hi Odium,
super! :)
Was ich noch nachtragen wollte: Es ist nicht IMMER eine Frage der Breite ob ein Boot kippelig ist, es gibt auch relativ breite Kipper (z.B. einige Lettmänner mit bis zu 60cm Breite), und auch sehr schmale stabil liegende Boote (z.B. mein Spirit mit 45cm max. Breite).
Ist halt blöd wenn man so einen Kahn bekommt und dann als Anfänger annimmt dass es an einem selbst liegt wenn man Kentert. Wenn Du mal 5 Boote gefahren hast, und Du wirst abgeworfen, ist's für Dich klar dass der Kahn für Dich einfach zu "scharf" ist.

Bis dann,
Ralf Schmidt