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Vollständige Version anzeigen : Gekenterter steigt nicht selber aus....


Zitter
20.03.2007, 13:30
Mich beschäftigt dezeit die folgende Situation:

Eine Person kentert, aus irgendwelchen gründen steigt die Person nicht aus dem Boot aus, es sind auch keine Handzeichen zu sehen, dass sich diese Person an einem anderem Boot hoch rollen will.

Was tun als Mitpaddler?

Aus meinen Überlegungen würde ich folgendes Probieren:

Unter das Boot greifen und versuchen Hand oder Arm des kekennterten zu greifen um ihn, bzw. den Mund ersteinmal über die Wasseroberfläche zu bekommen.

Versuchen ums Boot zu greifen um die Person wieder aufzurichten, wenn möglich mit hilfe weiterer Mitpaddler.

Wenn ich mich nicht selber gefährde, selber ins Wasser steigen um den Gekennterten aus dem Boot zu hohlen, bzw. erst versuchen ihn mit Hilfe anderer weider aufzurichten


Vielleicht kann jemand ja mal berichten der schon in dieser Situation war, oder wie man das vielleicht besser macht, als was ich es vorgeschlagen habe.

Mfg
Zitter

Chillosaurus
20.03.2007, 15:29
Is' natürlich 'ne scheiß Situation.
Ich würde möglichst bald und schnell mit dem Boot ranfahren und versuchen ihn hochzudrehen, obwohl die Gefahr besteht, falls der Paddler doch raus kommt, dass er wegen meines Bootes Schwierigkeiten bekommt wieder aufzutauchen. Wie man das am besten macht wird man dann sehen müssen. Wahrscheinlich ersmal am Boot vordrehen und dann den Körper 'rüberholen. Ich muss davon ausgehen, dass der Paddler bewusstlos war, da er sich nicht geregt hat. Ist er, wenn ich ihn oben habe wieder bei Bewusstsein: Auf jeden Fall trotzdem Krankenwagen rufen, da er in Lebensgefahr gelangt, falls er Wasser verschluckt haben sollte.
Solche Situationen sind zwar selten, aber nicht komplett unwahrscheinlich. Deswegen wundert es mich, dass ich noch nie gehört habe, dass soetwas in den Sicherheitslehrgängen vermittelt wurde.

Markus
20.03.2007, 18:41
Hallo Zitter,
ist die Begebenheit rein theoretisch gedacht oder ist sie dir wirklich passiert. Dann wären die anderen Umstände interessant. Wassertemperatur etc.
Mich hat das Szenario nachdenklich gemacht. Was wäre wenn...... evt. Tour im Zweier, einer kommt raus der andere nicht. usw.
MfG Markus

Zitter
20.03.2007, 19:00
Hallo Markus,

Got sei dank ist es nur theoretisch und noch nicht praktisch bei mir vorgekommen. Sicherlich spielt die Wetterlage und die Wassertemperatur dabei eine sehr große Rolle.
Da ich über dieses Thema bis jetzt sehr weniggehört habe intressiert es mich besonders, vor allem da ich viel mit Kinder- und Jugendlichen mit dem Boot unterwegs bin.

Zu dem entwickel ich momentan Schulungsunterlagen für meinen Verein und da möchte ich natürlich auch auf so eine Frage vorbereitet sein.

Mfg
Zitter

Chillosaurus
20.03.2007, 19:16
[...] Was wäre wenn...... evt. Tour im Zweier, einer kommt raus der andere nicht. usw.

Wenn Hilfe ein Boot da ist zusammen versuchen hochzudrehen, ansonsten Tauchen und 'rausfischen. Da gibt es doch keine Alternativen außer..., aber wer das macht, macht sich strafbar.
Bei sehr kalten Wasser wäre es natürlich sinnvoll die Überlebenswahrscheinlichkeit zu ermitteln, wenn man schnell 'raus geht oder wenn man den Kollegen mitnimmt. Aber in der Praxis fällt man solche Entscheidungen eher nicht. Ich glaube, da reagiert jeder unterschiedlich und stellt vorher keine großen Überlegungen an.

Eckehard
20.03.2007, 22:39
Moin,
das ist eine aus Sicherheitsgründen unbedingt zu übende Angelegenheit.
Fest steht, unter Wasser nimmt ein Mensch zu wenig am Sauerstoffaustausch teil, das ist zuerst die vorrangige Problematik.
Also nichts wie hin zum Gekenterten und unverzüglich hochdrehen. Problem ist, dass dazu ein Griff fehlt, wer da nicht herzhaft zupackt, handelt falsch.
Der Kopf überstreckt sich, der Mund ist über Wasser, schon mal besser so.
Schlechter ist, wenn der Bewußtlose aus dem Boot gefallen ist. Hinpaddeln, umdrehen, falls der Kenterbruder das Gesicht im Wasser liegen hat, Weste auslösen, Seenotalarm auslösen. Einschwimmen des Körpers in das geflutete in Seitenlage liegende Boot. Klingt leicht, ist es aber nicht, da hängt meist irgendwas fest. Dann aufdrehen und lenzen. Haben wir am 7.1. auf See bei reichlich Welle geübt.
Keine Person jemals unnötig aus dem schützenden Boot ziehen. (Das Boot bietet Auftrieb und Wärme) Das ist eine völlig sinnfreie Übung, die wir selbsternannten Experten überlassen sollten, die bis heute keine plausible Erklärung für solchen Blödsinn haben, aber sich als wichtig empfinden.
Als Schwimmer im Wasser hat man zu wenig Auftrieb und Kraft, wenn man helfen wollte. Das ist auch unnötig, nur im Boot hat man selber Power.
Bei Seegang benötigen Helfer ggf. selber je einen Stabilisierungspaddler, dann haben sie beide Hände frei und brauchen sich nicht um sich zu kümmern.
Moin
Eckehard

Ralf Schmidt
21.03.2007, 09:59
Hi Zitter,
auf jeden Fall mal trainieren (das Wetter wird ja so langsam ...).
Im Wasser schwimmend kannst Du verdammt wenig machen, Du kannst den Gekenterten praktisch nicht rumhebeln, und wenn Du ihn raus hättest würdest Du neben ihm in der Suppe schwimmen ohne Möglichkeit auf Wiederbelebeung etc. Zusätzlich würde sich bei Dir natürlich ebenfalls das Problem der Unterkühlung etc. ergeben.
Das geht wesentlich besser im Boot sitzend, über das gekenterte Kajak rüberlehnen und den Gekenterten an Jacke/Weste etc. hochrollen. Das ist auch eine relativ stabile Situation. Danach über das Vorderdeck ziehen und Wiederbeleben etc. Wer dann natürlich keine Möglichkeit hat Hilfe zu bekommen (Handy, Funke, Rakete, Mitpaddler, etc.) hat gleich das nächste Problem.
Je nach Ausgangssituation kann die Situation natürlich auch anders aussehen, z.B. wenn der Gekenterte rausgefallen ist und versinkt, dann musst Du eben in's Wasser. Danach mit Hilfe des zweiten Bootes wieder in Deins rein und den Gekenterten danach über die beiden Boote rüberziehen. Im Wasser schwimmend kannst Du praktisch nicht helfen ausser ihn in die Rückenlage zu drehen. Schwimmend hat man keine Kraft, keinen Hebel, nichts.

Bis dann,
Ralf Schmidt

Hauke
21.03.2007, 13:26
Moin Ralf,

die beste Hilfe ist immer in einer größeren Gruppe unterwegs zu sein, da dann die
verschidenne Aufgaben verteilt werden können. Je weniger Helfer, desto schwieriger wird es, da mann sich im schlimmsten Fall auf einmal um 2 Personen,
zwei Boote, zwei Paddel, etc kümmern muß.

Im Wasser schwimmend kannst Du verdammt wenig machen, Du kannst den Gekenterten praktisch nicht rumhebeln, und wenn Du ihn raus hättest würdest Du neben ihm in der Suppe schwimmen ohne Möglichkeit auf Wiederbelebeung etc. Zusätzlich würde sich bei Dir natürlich ebenfalls das Problem der Unterkühlung etc. ergeben.
Das geht wesentlich besser im Boot sitzend, über das gekenterte Kajak rüberlehnen und den Gekenterten an Jacke/Weste etc. hochrollen. Das ist auch eine relativ stabile Situation.

wie Du schon schreibst, im Boot kann man am bessten helfen. Freiwillig mit
reinspringen ist kontraproduktiv.
Aber auch als Schwimmer hast Du die Möglichkeit den Gekenterten wieder
um zu drehen. Dazu wendet man die Technik an, die auch von den
Rettungsschwimmern mit Rettungsbrett verwendet wird.
Du ziehst dich in Lukenhöhe quer über das Boot, ergreifst den Süllrand (notfalls
Spritzdecke seitlich etwas öffnen ) und wirfst dich dann mit schwung nach hinten,
wodurch der Gekenterte aufgerichtet wird.
Im Gegensatz zum Rettungsbrett das zwei stabile Schwimmlagen besitzt,
besteht aber hier die Gefahr, das man zu viel schwung hat und gleich wieder
durchkentert. Auch die Stabilisierung im weiteren Verlauf ist wegen des nun hohen
Schwerpunktes - ohne Balanceausgleich durch den Gekennterten-
schwierig, da ich ihn stabilisieren muss, und gleichzeitig versuchen muss selber
wieder ins Boot zu kommen.
Aber auch einen Bewusstlosen bekomme ich als Schwimmer mit der
Rettungsbrettmethode zumindest aufs Boot. Dazu ziehe ich das gekenterte Boot
zwischen mich und den Gekenterten. Dann ziehe ich die Arme des Kenterbruders
auf Luckenhöhe bäuchlings möglichst weit quer über dass Boot, bis seine
Achseln auf Außennahthöhe zu liegen kommen. Jetzt kann ich ich mich von der
anderen Seite selber quer auf das Boot ziehen, wobei ich den gekenterten
natürlich fixieren muss. Wenn ich mit dem Oberkörper quer auf dem Boot liege,
kann ich einen Arm des gekenterten unter meinen Oberkörper packen, wodurch
ich ihn fixiere. Ich greife ums/ unter das Boot in die Sitzlucke, und werfe mich wieder
zurück, wodurch das Boot aufgerichtet wird, und der Gekenterte -aus dem Wasser-
mit dem Oberkörper aufs Boot gehebelt wird. Dabei taucht aber der Kopf
auf der anderen Seite wieder ins Wasser ein, weshalb wir jetzt versuchen
müssen, den Ohnmächtigen längs aufs Boot zu bekommen, und damit den Kopf
wieder über Wasseroberfläche.
Das ist aufgrund des hohen Schwerpunktes eines Kajaks gegenüber einem
Rettungsbretts, und der damit verbundenen instabielen Schwimmlage nicht ganz
einfach. Der Verunfallte muß zum Schluß so zum liegen kommen, das er Bäuchlings
auf Deck liegt, die Arme und Beine rechts und links vom Boot.
Jetzt kann ich mich von Hinten flach aufs Boot robben und selber mit den Händen
Richtung Ufer paddeln, oder hoffen das Hilfe kommt.

Ich hoffe die Beschreibungen waren verständlich, und wir müssen dieses Wissen
nie anwenden.

Hauke

Ralf Schmidt
21.03.2007, 14:03
Hi Hauke,
aber alles nur ohne Welle.....
Und: Wiederbelebt hast Du dabei auch noch nicht. Wenn Du dann noch 1/2 h an Land Schwimmpaddeln musst kannst Du den Gekenterten auch gleich an Ort und Stelle lassen :(
Alles in allem natürlich kein einfaches Thema. Zum Glück ist der Kajaksport zumindest statistisch sehr sicher.

Bis dann,
Ralf Schmidt

Hauke
21.03.2007, 15:30
Moin Ralf,


aber alles nur ohne Welle.....

wie schon gesagt, große Gruppe ist besser, ob mit oder ohne Welle. :)


Und: Wiederbelebt hast Du dabei auch noch nicht. Wenn Du dann noch 1/2 h an Land Schwimmpaddeln musst kannst Du den Gekenterten auch gleich an Ort und Stelle lassen :(

In dem oben beschriebenen Fall gehe ich von einem Bewusstlosen aus.
z.B durch Kälteschock etc. Einen Bewusstlosen muss ich nicht wiederbeleben, da reicht ein Überstrecken des Kopfes (inkl. sabiler Seitenlage/Bauchlage).

Wenn Du jemanden Wiederbeleben musst, weil er Atem- und/oder Herzstillstand
hat, wird es richtig schwierig, da man im Kajak kaum in der Lage sein wird
eine HLW (Herz-/ Lungenwiederbelebung) vernünftig durch zu führen. :(

Aber zum Glück ist Paddeln ein relativ sicherer Sport :)
und meistens Land in der nähe.

Hauke

Ralf Schmidt
21.03.2007, 15:47
Hi Hauke,
(zum Glück) bin ich hier Theoretiker, aber wenn ich von der Ausgangssituation ausgehe, Kollege hängt Kopfunter im Wasser und ksteigt nicht aus, bis ich's merke und ran bin, ihn umgedreht habe, sind im Besten Fall wenige Minuten vergangen (für den Kollegen mit Kopf unter Wasser). Gibt es wirklich einen Fall dass er KEINEN Atem und ggf. Herzstillstand hat?? Ich ziehe den raus und er atmet sofort wieder??
Klar ist's schwierig auf dem Kajak wiederzubeleben, aber denkbar. Im Wasser: Unmöglich.
Und immer nur aus Sicherheitsgründen im Rudel aufzutreten halte ich für überzogen. Ich bin zu min. 50% alleine unterwegs, zumeist aber in eher sicherem Gewässer. Trotzdem kann es bei den Wassertemperaturen zu einem Schock bei der Kenterung kommen.

Bis dann,
Ralf Schmidt

Hauke
21.03.2007, 16:33
Moin Ralf,

ich bin auch nur Halb- nicht Heilpraktiker. Habe in meiner Jugend lange Retungswache (DLRG) gemacht. Aber die Erfahrungen sind ganz nützlich.


aber wenn ich von der Ausgangssituation ausgehe, Kollege hängt Kopfunter im Wasser und ksteigt nicht aus, bis ich's merke und ran bin, ihn umgedreht habe, sind im Besten Fall wenige Minuten vergangen (für den Kollegen mit Kopf unter Wasser). Gibt es wirklich einen Fall dass er KEINEN Atem und ggf. Herzstillstand hat?? Ich ziehe den raus und er atmet sofort wieder??

Gerät ein Mensch unter Wasser und versucht zu Atmen, setzt im
Normalfall ein körpereigener Schutzreflex ein und es kann zu
einem Stimmritzenkrampf kommen.
Dieser verhindert, das Wasser in die Lunge gerät. Dadurch kann/wird
man aber auch bewusstlos, da die Atmung unterbunden wird.
Durch die Bewusstlosigkeit entkrampft man und die Atmung kann wieder
einsetzen. In diesem Fall passiert das gleiche, als wenn man bewusstlos
umkippt. Man atmet Wasser ein.
Ein höchst ungesundes Verhalten.
Das Thema ist insgesammt sehr komplex und es hängt sehr vom
Einzelfall ab.
in einem solchen Fall ist schnelle Hilfe wichtig. In einer Gruppe sollte das
Aufrichten innerhalb von 1 bis 2 Minuten möglich sein.


Klar ist's schwierig auf dem Kajak wiederzubeleben, aber denkbar. Im Wasser: Unmöglich.
Und immer nur aus Sicherheitsgründen im Rudel aufzutreten halte ich für überzogen. Ich bin zu min. 50% alleine unterwegs, zumeist aber in eher sicherem Gewässer. Trotzdem kann es bei den Wassertemperaturen zu einem Schock bei der Kenterung kommen.


Wenn Du alleine unterwegs bist, kommt die Hilfe eh zu spät, es sei denn Du sorgst dafür, das dein Kopf nicht unter Wasser gerät. :rolleyes:
Also: Rettungsweste statt Schwimmweste.

Hauke

KajakFun
21.03.2007, 16:52
Ein schwieriger Fall.
Selbst bei ruhigem Wasser. Es wird wohl entscheidend darauf ankommen wie kentersicher und wie kräftig der Retter selbst ist. Die jeweilige Situation entscheidet.
Eine 50 kg Frau wird vermutlich einen 100 kg Paddler nicht aufrichten aber evtl schon aus dem Boot herausziehen können.
Die Atmung zu gewährleisten hat auf alle Fälle Vorrang vor möglicher Unterkühlung des Bewußtlosen.
Wenn sofortiges Aufrichten nicht funktioniert ziehe ich den Kameraden notfalls aus dem Boot heraus. Wenn er eine Schwimmweste anhat schwimmt er wenigstens bis er wieder zu sich kommt. Mit dem Kopf unter Wasser hat er sonst überhaupt keine Chance.
Mit dem Paddel als langen Hebel in der Sitzluke kann man evtl. beim Aufrichten etwas nachhelfen. Wahrscheinlich ist es auch keine schlechte Idee das aufgerichtete zweite Boot wenn möglich provisorisch zu sichern damit man überhaupt eine stabile Plattform für weitergehende Maßnahmen machen kann. Falls der Kenterbruder durch Wellengang weggerissen, oder aus dem Boot gezogen wird, ist das andere Boot sonst ein für alle mal weg.

stefi
25.03.2007, 22:17
Hi Jungs

Probierts doch einfach mal aus. Ich hab solche Übungen schon gemacht. Ein gekentertes Boot mit einer bewusstlosen Person zu drehen ist keine Hexerei (kommt natürlich auf das Wasser an).
Neben das Boot, drauflehnen so weit wie möglich, selbst also irgendwie auch aufkanten. Zurück und beide stehen. Ich hab's nie bei Wellen ausprobiert, aber du kannst dich immerhin am zweiten, schwimmenden Boot festhalten, was dir selbst eine gewisse Sicherheit bringt. Und du gefährdest dich nicht, da du im Boot bleibst.

Die 50 kg Frau kann auch einen schwereren Paddler aufrichten (ich hab's ausprobiert). Der hängt schlaff im Boot, ich muss ihn ja nicht hochheben, sondern nur seine Lage ändern. Ein Teil des Gewichts ist ausserdem im Boot, Widerstand hab ich ausser dem Wasser keinen...
Macht euch hier nicht so viele Gedanken, geht raus auf den See oder ins Schwimmbad und probiert's aus... da lernt man am meisten, und Spass macht's auch.