Vollständige Version anzeigen : Erschreckende Statistik 2006
Chillosaurus
28.03.2007, 15:46
In der neuen Kanusport ist eine Statistik über Kanuunfälle im Jahr 2006 Abgedruckt. Zwar können in diesen Statistiken nicht alle Unfälle verfasst werden, weil nicht alle gemeldet werden, aber bei den schweren Unfällen ist sie doch sehr komplett und weist eine erschreckende Tendenz auf.
Im Jahre 2005 waren es noch 9 Paddle und 1 Paddlerin, die tödlich verünglückten (9 von ihnen ohne Schwimmweste, 1 ohne Angabe)
Im lezten Jahr waren es bereits 80% mehr! darunter 14 Paddler und 4 Paddlerinnen (10 mal ohne Schwimmweste, 3 mal keine Angaben und 5 mal mit Weste).
Es handelt sich selbstverständlich nur um PaddlerInnen aus Deutschland. Das Durschnittsalter lag bei etwa 40 Jahren.
Nun zur eigentlichen Frage: Wird das so weiter gehen (jedes Jahr mehr Tote)? Wie muss man die Zahl im Verhältnis zu den AKTIVEN Paddlern sehen? Was kann man dagegen unternehmen/ funktioniert die Aufklärungsschiene, die der DKV derzeit fährt?
Werner Schmiedel
28.03.2007, 16:06
Hai Chillo,
Von einigen weiss ich, dass es absolut unerfahrene Paddler waren (S.a. den Bericht von Udo Beier auf Seite 21 f im KS)
Von einem weiteren weiss ich, dass es ein "Alter Hase" gewesen ist, 69 Jahre alt, seit vielen Jahren fast täglich im Boot, der bei unruhigem Wasser auf dem Bodensee 150 m vom Ufer entfernt gekentert ist. Ihm hätte eine Schwimmweste vielleicht geholfen, denn er wurde beobachtet und ein Boot - ich meine von der Feuerwehr - hat ihn dann geborgen.
Eine Schwimmweste hätte ihn a) obengehalten und b) eine so schnelle Unterkühlung möglicherweise verhindert. Das Wasser hatte etwa 6° c.
der Werner
KajakFun
28.03.2007, 23:26
Hi Werner
Sehr bedauerlicher Unfall.
Die genaue Todesursache kenne ich leider nicht. Auch der Manni konnte mir damals keine genaue Auskunft geben. Ob die Schwimmweste da wirklich geholfen hätte...vielleicht, vielleicht auch nicht. Herzproblem? Zumindest nicht unmittelbar nach der Kenterung.
Da sind wohl (wie immer) mehrere Faktoren verschärfend zusammengekommen.
Hohes Alter, Fahrt bei Schlechtwetter, keine Rolle, niedrige Wassertemperaturen kein Wärmeschutz und keine Schwimmweste. Nach der Kenterung evtl. noch falsche Entscheidungen in direkter Ufernähe. Vielleicht hat er nach der Kenterung zu lange vergeblich versucht wieder einzusteigen oder die Ausrüstung zu bergen anstatt unverzüglich in Richtung Ufer zu schwimmen. Vielleicht hätte er da schon nach 50 m in der Flachwasserzone wieder stehen können.
Aber nicht die fehlende Schwimmweste sondern der fehlende Wärmeschutz war da die Unfallursache Nr. 1.
Ändert aber leider auch nichts mehr daran.
Ralf Schmidt
29.03.2007, 07:29
Hallo,
zum einen - als erschreckend kann ich diese Statistik nun wirklich nicht ansehen. Wenn man sieht wie viel Volk sich zum Teil in Leihbooten in den Flüssen und Bächen und Seen tummelt, dazu noch die "Extremisten" im Wildwasser etc. etc. etc., da sind diese Unfallzahlen eher homöopatischer Natur. Natürlich ist jeder Tote zu viel, aber man muss das im Verhältnis zu anderen Sportarten sehen.
Was ich aber als wesentlicher sehe ist nicht die allgegenwärtige Diskussion der Schwimmweste. Eine Schwimmweste hat ein verdammt eingeschränktes Einsatzspektum, solange mein Boot noch schwimmt, bzw. ich in der Lage dazu bin, bringt sie nichts. Sie kommt erst in's Spiel wenn ich nicht mehr in der Lage bin mich oben zu halten aber trotzdem noch bei Bewusstsein bin. Bin ich das nicht mehr, und drehe mich auf den Bauch, ist's auch mit Weste Essig, man wird dann halt besser gefunden. Dafür braucht's eben eine Rettungsweste. Viel wichtiger als die Weste ist für mich ein vernünftiger Kälteschutz in dem ich auch eine hinreichend lange Zeit überleben kann. Darüber wird aber kaum ein Wort verloren. Das kann ich nicht verstehen.
Bis dann,
Ralf Schmidt
KajakFun
29.03.2007, 09:51
Wieviele Prozent aller Paddler mit Schwimmweste haben zusätzlich einen Wärmeschutz darunter an?
Wenn die Schwimmweste schon fehlt ist der Wärmeschutz in der Regel auch nicht vorhanden. Bei Gelegenheitspaddlern und Anfängern sowieso nicht. Denen vermittelt aber gerade die Schwimmweste eine Sicherheit die keine ist.
Vielleicht würden sie es sich sonst ohne Schwimmweste genauer überlegen ob sie wirklich schwimmen wollen.
Besser wäre da noch eine rote Fahne am Steg die bis 12 Grad Wassertemperatur signalisiert ...nur mit Neo.
Moin, moin,
In der neuen Kanusport ist eine Statistik über Kanuunfälle im Jahr 2006 Abgedruckt. Zwar können in diesen Statistiken nicht alle Unfälle verfasst werden, weil nicht alle gemeldet werden, aber bei den schweren Unfällen ist sie doch sehr komplett und weist eine erschreckende Tendenz auf.
Im Jahre 2005 waren es noch 9 Paddle und 1 Paddlerin, die tödlich verünglückten (9 von ihnen ohne Schwimmweste, 1 ohne Angabe)
Im lezten Jahr waren es bereits 80% mehr! darunter 14 Paddler und 4 Paddlerinnen (10 mal ohne Schwimmweste, 3 mal keine Angaben und 5 mal mit Weste).
Statistik hin oder her, jeder Tote ist zuviel. Aber hier die Prozentrechnung
anzusetzen und einen auf dramatik zu machen ist übertrieben.
Ausgedachtes Beispiel: Jahr 2005 1 Toter,
Jahr 2006 3 Tote, weil (zusätzlich) ein Zweier verunglückt ist
Bildzeitung: Todesrate innerhalb eines Jahsres um 200% gestiegen. Wann wird
dieser Selbstmordsport verboten.:mad:
Zum Glück ist die Todesrate beim paddeln sehr gering. Aber Aufgrund dieser geringen
Datenbasis und vorallem aus dem Vergleich von nur zwei Jahren
eine Tendenz abzuleiten und hier "Panik"! zu verbreiten finde ich unangemessen.
Außerdem wiederspricht es guter Statistik. :mad: Ich denke es liegt hier alles im
Rahmen der statistischen Schwankungsbreite.
Da die Zahl der Menschen die paddeln ( wenn auch viele nur einmal im Jahr im Boot sitzen)
immer mehr zunimmt, wird auch die Zahl der Unfälle zunehmen.
Da die Unfälle aber auch gerade wohl bei Leihbootfahrern zunehmen, ist der
DKV in dieser Hinsicht nur eingeschränkt handlungsfähig.
Solche Diskussionen führen dann meist (man sieht es zur Zeit an der Klima- und
der Feinstaubdebatte) zu blindem Aktionismus, frei nach dem Motto es muß ja
was gemacht werden.
Es ist Gut sich darüber Gedanken zu machen und zu reden, aber es ist kontraproduktiv
sofort nach Schnellschußaktionen zu rufen. Denn dass müssen
wir dann in den nächsten Jahren ausbaden.
Hauke
Statistik:
Die meisten Leute sterben im Bett :eek:
Dem MUSS ein Riegel vorgeschoben werden...warum macht denn der Deutsche-Betten-Verband (DBV) nichts dagegen :confused:
Salut,
ich denke auch, daß die Anzahl der Toten - so bedauerlich das auch ist - im Vergleich zu anderen gefährlichen Sportarten doch recht gering ist. Ich halte viel von Schildern und Hinweisen in paddelbaren Gebieten - ähnlich der Sturmwarnung am Meer - um Nichtsahnende an unsinnigen Abenteuern zu hindern. Tatsächlich aber wird man nie alle dazu bringen, sich vernünftig zu verhalten.
Ciao
Martina
Chillosaurus
29.03.2007, 14:16
[...]
Da die Zahl der Menschen die paddeln ( wenn auch viele nur einmal im Jahr im Boot sitzen)
immer mehr zunimmt, wird auch die Zahl der Unfälle zunehmen.
Da die Unfälle aber auch gerade wohl bei Leihbootfahrern zunehmen, ist der [...]
Danach war meine Frage: Wie sind die Zahlen im Zusammenhang mit der Anzahl der Paddler zu sehen.
'ne weitere Schwimmwestendiskussion oder die Frage, was ihr von Statistiken haltet, wie ihr die interpretieren würdet etc. habe ich nicht gestellt. Sinnlose Gesetze hat niemand gefordert. Sich über die Situation und ihre Entwicklung in den letzten Jahren zu informieren war alleiniger Grund diese Rubrik zu eröffnen.
Moin Chillo,
mein kleiner Statistkausflug entstand Aufgrund der Überschrift:
Erschreckende Statistik. Das klang für mich so ein bisschen nach
Bildzeitung.
Hatte schon bemerkt das Du die Schwimmwesten bewusst
rausgelassen hast. :)
Mir ging es darum, die Statistik etwas zu hinterfragen und das
Erschrecken abzumildern. Einer Diskussion über die Ursachen und
Möglichkeiten weiter Todesfälle zu verhindern würde ich begrüßen.
Vielleicht haben wir Glück und die Zahl der Verunglückten sinkt
in diesem Jahr. Wäre dem Paddelsport zu wünschen.
Hauke
KajakFun
29.03.2007, 21:07
Paddeltote rangieren statistisch wahrscheinlich irgendwo zwischen Genickbruch durch Hochradfahren oder Lawinentote im Monat August. :rolleyes:
Wir sind ja alle so vernünftig :D
Wenn Nichtschwimmer im Canadier bei Wellengang im Bodensee kentern und im kaltem Wasser ohne Schwimmweste und Wärmeschutz ertrinken sollte man das statistisch nicht mehr unter die Rubrik Unfall zählen...sorry...das gehört eher in die Rubrik Darwin Awards.:mad:
Herz-Kreislaufprobleme, Epilepsieanfälle Blitzschlag etc. kann man eigentlich auch nicht zu den typischen "Paddelunfällen" dazurechnen. Das passiert genauso beim Autofahren oder beim Fußballspielen. :(
Paddeltypisch sind dann Wehrunfälle, Klemmunfälle, Schlagwirkung, Unterkühlung und reine Schwimmunfälle.
Das einzig wichtige an dieser neuen Statistik ist doch nur daß es wieder die Wehranlagen waren die einen wesentlich Beitrag geleistet haben und das muß absolut nicht sein.
Anfänger kentern beim Anlanden vor Wehranlagen und werden hinabgespült.
Dem kann man auf häufig befahrenen Strecken mit Leihbootverkehr nur vorbeugen indem man geeignete Umtragestellen in sicherem Abstand vor der Wehrkante einrichtet. Von einem Paddelanfänger der vielleicht das erste Mal im Boot sitzt kann man keine Vorkenntnisse oder Fahrkönnen und Gefahrenbewusstsein erwarten.
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