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Vollständige Version anzeigen : Ostern: Kaltwassertüchtig!?


Udo Beier (DKV)
04.04.2007, 23:23
Ahoi!

Für manche Küstenkanuwanderinnen und –wanderer beginnt erst jetzt die Saison. Wenn es hinaus aufs Meer geht, egal ob nun auf die Nord- bzw. Ostsee, sollten wir uns jedoch bewusst sein, dass die Wassertemperaturen entlang der Küste noch unter 10° C liegen werden (s. hierzu BSH-Info (http://www.bsh.de/aktdat/bm/Baden&Meer.htm)).

D.h. wer in den kommenden Tagen bei einer Tour hinaus aufs Meer allein darauf vertraut,

dass die Paddeltechnik stimmt (Notfalls verhindere ich mit einer flachen Stütze eine Kenterung!)
bzw. das Glück einen schon nicht verlässt (Warum soll ich denn gerade heute kentern? Ich bin doch die letzten Jahre nie gekentert! :confused: )und

die Wetterentwicklung unbeachtet lässt (Dabei ist es doch so einfach via Internet = z.B. www.seewetter.de (http://www.seewetter.de) bzw. Telefon = z.B. 01803-2546088 aktuelle Seewetterinfos abzurufen),
die Ausrüstung vernachlässigt (z.B. auf Trockenanzug bzw. Neo, warme Kopfbedeckung, Rettungsweste, griffbereit und wasserdicht verpacktes Handy und ein seetüchtiges Kajak verzichtet),
und alles auf eine Karte setzt (d.h. solo hinaus paddelt :cool: , statt auf den Schutz durch die „Gruppe“ zu vertrauen),sollte sich bewusst sein, dass bei einer Kenterung in 10° kaltes Wasser Folgendes eintreten kann (s. hierzu DKV-Info (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Gefahr-Unterkuehlung.pdf)):

1. Kälteschock: Unmittelbar nach der Kenterung geraten wir in Atemnot (d.h. wir können nicht mehr Rollen, sondern müssen sofort aussteigen) bzw. holen unkontrolliert tief Luft (d.h. schlucken dabei sofort Wasser und sind anschließend handlungsunfähig) bzw. verlieren unter Wasser unser Gleichgewichtsgefühl (d.h. wir können unser Paddel zum Rollen nicht in Position bringen! Und nach dem dann fälligen Ausstieg aus der Sitzluke tauchen wir u.U. ab statt auf!).

2. Unterkühlung: Spätestens nach 10 Minuten im Wasser sind wir nicht mehr in der Lage zu schwimmen bzw. zurück ins Seekajak zu klettern, unsere Spritzdecke zu schließen und allein weiter zu paddeln, da allmählich unsere Kräfte schwinden, unser Reaktionsvermögen sich verlangsamt, unsere Orientierungsfähigkeit nachlässt und unser Urteilsvermögen beeinträchtigt ist.

3. Überleben: Die „erwartete Überlebenszeit“ einer leicht bekleideten, untrainierten Person liegt je nach Typ so zwischen 1:45 und 2:50 Std. (= schnell auskühlende Person) bzw. 2:50 – 5:40 Std. (= langsam auskühlende Person). Ein Neo erhöht dabei die Überlebenschancen um mehr als das 3,5-fache und ein Trockenanzug um fast das 7-fache!

Übrigens, diese drei Auswirkungen können noch dadurch beschleunigt werden, wenn wir:

zuvor durch eine Krankheit geschwächt waren,
uns durch stundenlange Paddelei überanstrengt haben,
unterwegs es versäumt haben, unseren „Tank“ zu füllen, d.h. genügend zu essen und zu trinken (Übrigens, Osterei mit Alkoholfüllung wirken kontraproduktiv!)
durch den Wind ausgekühlt wurden (z.B. wird +10° C warme Luft bei einem 5 Bft. Wind wie 0° C kalte Luft empfunden).Apropos Weihnachten, wer noch nicht weiß, was er auf den nächsten Weihnachtswunschzettel setzt - Ostern dürfen wir uns ja höchstens gutes Paddelwetter wünschen – sollte unbedingt eine Rettungsweste mit aufführen:

Bei 10° C Wassertemperatur erhöht sie die „Überlebenszeit bei 50%-iger Überlebensrat“ um über das 3-fache.Ein paar kenterfreie Osterfeiertage wünscht Euch:

Rudi Fetting
05.04.2007, 23:26
Hallo Udo Beier,

wir starten heute so gegen 14:00 von Norddeich nach Juist und schauen dann mal was sich so anbietet. Und vielleicht finden wir ja ein paar Ostereier in der Osterems
(wenn kein Nebel ist:D )

Schöne Feiertage

Rudi Fetting

Udo Beier (DKV)
09.04.2007, 20:30
Ahoi Rudi,

na, wie war's über Ostern auf der Nordsee im Allgemeinen und vor Juist im Besonderen? ... natürlich meine ich nur die "gefühlten Temperaturen" (inkl. Windchill).

Gruß aus Hamburg:

Rudi Fetting
09.04.2007, 23:21
Hallo Udo,

also ich finde den heimischen Stausee momentan noch etwas kälter als die Nordsee.

Aber der reihe nach. Wir, d.h. Erich Scadock, Norbert Ernst, Hanno Fischer, Birgit Kornman, Jochen Grikschat und meine Wenigkeit starteten am Karfreitag so gegen 14Uhr von Nordeich nach Juist. Im alten Seglerhafen konnten wir übernachten. Am nächsten Tag sind wir gegen 16Uhr zum Borkumer Nordstrand aufgebrochen. Von dort am Sonntagmorgen gegen 8Uhr wollten wir seeseitig zurück nach Juist. Westlich der Kachelotplatte entschlossen wir uns aufgrund des starken Seegangs wieder umzukehren und Juist übers Watt anzusteuern. Tja- und dann hatten wir die dicken Wellen im Rücken. Eine besonders Hohe nahm ich nicht rechtzeitig war aber sie nahm mich dafür mit. Jochen dachte noch: eiei,das geht nicht gut. Er sollte recht behalten. Schade, das man sich bei sowas nicht selber sehen kann, man könnte den Fehler besser analysieren. Aber man sagte mir, bei so einem Oschi wäre jeder baden gegangen. nunja- ich lag also Kopfüber im Bach- es war durchaus nicht kalt (gefühlt) und ich legte mir mein paddel zurecht um aufzurollen. Klappte aber nicht. Also nasser Ausstieg. Jochen war blitzschnell zu Stelle und keine drei Minuten später saß ich wieder im Boot. Es kam dann noch etwas Weisswasser bevor wir dann überrs Watt ins Norlandfahrwasser zurück zum Juister Hafen paddelten. Dank Trocki fühle ich mich ausgesprochen warm und wohl. Für den perfekten Wiedereinstieg an dieser Stelle nochmals großen dank an Jochen!!! Am Ostermontag sind wir dann bei Hochwasser und reichlich Schiebewind nach Norddeich regelrecht zurückgesurft. Unterwegs kam uns noch Gottfried ein Stück entgegen,der auch an der Küste weilte. Gemeinsam paddelten wir dann zurück. Auch ein großes Kompliment an Erich, der mit großer Umsicht und Sorgfalt die Touren und mögliche Alternativen ausgearbeitet hat und uns mit seiner Erfahrung zur Seite stand. Allles in allem ein ereignissreiches und kurzweiliges Wochenende mit einer tollen Gruppe.

In der Osterems fand allerdings keine Ostereier, aber Bigge hat den Osterhasen am Sonntagmorgen zwischen den Dünen gesehen.

So,guter Nacht und Gruß nach Hamburg

Rudi Fetting

Udo Beier (DKV)
10.04.2007, 18:37
Ahoi Rudi!

Danke für den Kurzbericht von Deiner Juist-Borkum-Tour zu Ostern. Zumindest die Windprognosen des Wetterberichts für Ostermontag deuteten ja auf Nord- und Ostsee auf Seegang hin (5-6 Bft. in Böen 8 Bft.).

Dank Können & Ausrüstung ist Deine Kenterung ohne Folgen geblieben. Meine Frage nun an Dich: „Hättest Du ohne Trockenanzug und doppelt abgeschotteten Seekajak genauso problemlos nach der Kenterung Deine Tour fortsetzen können?“

Übrigens, nach Radioberichten scheinen auf der Ostsee insgesamt vier „Bootsfahrer“ nach einer Kenterung in Bedrängnis geraten zu seinen:

Drei angelnde Ruderbootfahrer kenterten Ostermontag auf dem Greifswalder Bodden. Zwei von denen haben das Ufer schwimmend erreicht, einer soll noch vermisst werden.
Und ein Kanute kenterte schon Gründonnerstag westlich der Insel Poel. Er wurde von einem Sportboot geborgen und soll anschließend wegen Unterkühlung zur Beobachtung ins Krankenhaus eingeliefert worden sein.
Egal was nun dort wie passiert ist, es stimmt einen traurig und nachdenklich, dass es wieder einmal so weit kommen musste.

Gruß aus Hamburg:

Rudi Fetting
10.04.2007, 21:34
Moin Udo,

naja- ich persönlich würde bei solchen Bedingungen nicht mit einem ungeschotteten Boot fahren wollen. Ich möchte aber hier nicht wieder eine Grundsatzdiskussion über Seekajaks entfachen. Aber: a-sind meine Siebensachen in den Luken trocken geblieben und b- meine Sitzluke war- auch wegen der E-Pumpe- schnell gelenzt.

Als die Kenterung passierte waren wir schon rd. 2 Std. unterwegs und wir hatten noch gute 2 Stunden danach zu paddeln. Der Wind war recht frisch und wenn ich nur Neoprenkleidung angehabt hätte, wäre ich sicher sehr schnell ausgekühlt und folglich auch nicht mehr in der Lage gewesen, aktiv weiter zu paddeln.

Ich trage übrigens bei solchen Touren keine Schwimm- sondern eine Rettungsweste.
Die Hände sollten auch geschützt sein. Aus Eigener Erfahrung kann ich sagen, das die Finger nach einem 10 Minutenbad bei solchen Temperaturen so klamm werden, das Du u.U. die Spritzdecke nicht mehr in der gebotenen Eile geschlossen kriegst- wenn überhaupt.

Aber wie gesagt, ich kann und will da nur für mich sprechen.

In diesem Sinne- allen eine schöne Paddelsaison auf allen Wassern.

Glückauf

Rudi Fetting