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Vollständige Version anzeigen : Helgolands „Big Bang“


Udo Beier (DKV)
21.04.2007, 09:16
Ahoi!

Genau vor 60 Jahren, also am 18. April 1947, wurden von den Briten ca. 6.700 Tonnen Sprengstoff gezündet, um Helgoland unter der Wasseroberfläche verschwinden zu lassen. Da Helgoland damals aus kriegsstrategischen Gründen völlig untertunnelt war - und es eigentlich auch noch ist – stürzten hier & da ein paar Tunnel ein, was zu dem einen o. anderen Erdrutsch führte. Ansonsten gab es viel Lärm & Rauch, aber - wie jeder Helgolandfahrer bestätigen kann – hat Helgoland das alles überlebt. Die Erschütterung der größten nicht nuklearen Explosionen der Geschichte war noch im 70 km entfernten Cuxhaven zu hören und die 9 km hohe Rauchsäule war theoretisch – d.h. bei entsprechender Sicht - noch vom Brocken/Harz aus zu erahnen<.

Distanz (km) = 3,8429 x (Wurzel aus Gegenstandshöhe (m) + Wurzel aus Augenhöhe (m))

Nach Protesten und einer Besetzung Helgolands durch Studenten durften schließlich die ca. 2.500 Einwohner Helgolands 1952 wieder auf ihrer Heimatinsel, Deutschlands einziger Hochseeinsel, siedeln. Derzeit wohnen ca. 1.500 Leute auf der Insel, die sich um die ca. 500.000 Besucher kümmern, die jährlich per Passagierdampfer, Segelschiff, Motorschiff, Flugzeug, Surfbrett bzw. Seekajak vorbeikommen.

Wen es interessiert, wie wir Küstenkanuwanderinnen und –wanderer hinüber zur Insel paddeln können, möge den einen oder anderen der folgenden Beiträge über Helgolandtouren von der DKV-Homepage downloaden:

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Bremerhaven-Helgoland.pdf (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Bremerhaven-Helgoland.pdf) (K.Schmidt 1929)
www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Hamburg-Helgoland.pdf (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Hamburg-Helgoland.pdf) (H.-J.Otto 1963)
www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Rund-Helgoland.pdf (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Rund-Helgoland.pdf) (U.Beier & Co. 1994)
www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Blankenese-Helgoland.pdf (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Blankenese-Helgoland.pdf) (J.Offermann 1996)
www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-St.PeterOrding-Hegloland.pdf (http://www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-St.PeterOrding-Hegloland.pdf) (M.Panknin & Co. 1997)
www.zoelzer.de/ger/Chaotenfahrt.htm (http://www.zoelzer.de/ger/Chaotenfahrt.htm) (H.Zölzer & Co. 1997)
www.zoelzer.de/ger/helgoland.htm (http://www.zoelzer.de/ger/helgoland.htm) (H.Zölzer & Co. 2000)Wer der erste Kanute überhaupt war, der Helgoland per Kajak erreicht hat, ist mir unbekannt. Vermutlich war es Karl Schmidt (aus Bochum), der 1929 im Faltboot von Bremerhaven aus nach Helgoland paddelte. Er startete um 19 Uhr, ging um Mitternacht auf dem Feuerschiff „Bremen“ (nahe des Leuchtturms „Roter Sand) an Bord (!) :p , setzte dann am nächsten Morgen um 9 Uhr die Fahrt fort und landete um 17.30 Uhr in Helgoland an. Zurück ging es mit dem Dampfer. (s. Kanu Sport, Nr. 43 v. 1929)

Ansonsten sind noch die folgenden Kanuten erwähnenswert:

Werner Schmiedel ist 1961 als 17-18-Jähriger allein im Aerius II (Faltboot) von Husum über St.Peter-Ording nach Helgoland gepaddelt und 2 Tage später weiter Richtung Ostfriesland. Statt mit Kompass arbeitete er mit Uhr und Sonnenstand und statt ein Zelt aufzubauen, schlief er unter seinem Zweier-Faltboot auf einer Luftmatratze. Für die nötige Wärme sorgte eine Wolldecke.

Heinz Zölzer soll 1962 im „Klepper T6“ (Faltboot) von Wangerooge nach Helgoland gepaddelt sein (zurück ging es per Fähre nach Bremerhaven).

Hans-Jörg Otto paddelte 1963 im „Kette Langeiner“ (Faltboot) bei einer 3-Etappen-Tour Hamburg – Helgoland in der Nacht von Scharhörn (welches damals noch betreten werden durfte) nach Helgoland, da er sich so wegen mangelnder Ausrüstung besser am Leuchtfeuer des Helgoländer Leuchtturms orientieren konnte. (s. Seekajak, Nr.12/88)

Werner Born organisiert zusammen mit Hans-Jürgen Prigge 1981 vermutlich die erste Gruppenfahrt nach Helgoland, bei der neben 5 Kanuten auch 2 Kanutinnen teilnahmen . Er startete von Cuxhaven aus und benötigte ca. 12 Std. Zurück ging es dann mit dem Seebäderschiff nach Cuxhaven.

1987 paddelte die Niederländer Hendrik Kingma & Mathijs von Wangersiel aus kommend über Minseneroog nach Helgoland, welches sie im Nebel ohne GPS fanden. (s. Seekajak, Nr.9/87)

Michael Koop & Udo Weiterer gelang es 1989 nach erfolgreicher Ansteuerung von Helgoland tags darauf bis zum ca. 60 km entfernt liegenden Amrum weiter zu paddeln. (s. Seekajak, Nr. 20/89)

Udo Beier organisierte 1994 die erste ausgeschriebene Vereinsfahrt nach Helgoland. Zusammen mit Kai Ahrens, Arthur Buschardt, Wolfgang Dinter, Bernhard Hillejan, Berta Reiner & Manfred Klingmann-Reiner wurde Helgoland von Neuwerk aus angepaddelt, 2 Tage später ging es dann weiter nach St. Peter Ording. (s. Seekajak, Nr. 44/94)

Jens Offermann wiederholte 1996 die 63er-Tour von H.J.Otto, wobei es ihm sogar gelang, wieder zurück nach Hamburg zu paddeln. Bei der Rückfahrt von Helgoland nach Neuwerk geriet er jedoch in Nebel & Dunkelheit, sodass er erst nach 13-stündiger (!) Fahrt Neuwerk erreichte.

Jürgen Hoh erreichte 1996 ebenfalls im Faltboot anlässlich einer mehrwöchigen Elbefahrt von Tschechien aus kommend nach 720 km Helgoland. (s. Kanu Magazin, Nr. 1/99)

Matthias Panknin & Karl Wolfner meisterten 1997 sogar innerhalb von ca. 17 Std. von St.Peter-Ording aus kommend eine Retour-Tour nach Helgoland (ca. 90 km). (s. Seekajak, Nr. 100/06)

Heinz Zölzer paddelte 1997 mit Andreas von Wangerooge aus nach Helgoland und retour (s. Seekajak, Nr. 62/98) und 2000 mit Sven Grimpe & Ulf Sielaff von Spiekeroog aus nach Helgoland und retour.

Bislang hat es jedoch noch keiner geschafft, die Deutsche Bucht von Borkum aus kommend so zu queren, dass mit einem Zwischenstopp auf Helgoland nach insgesamt ca. 155 km Sylt erreicht wird.

Ebenfalls gelang es Arved Fuchs & Rainer Neuber nicht, 1987 Helgoland von der ca. 460 km entfernt liegenden Humbermündung (England) aus zu erreichen, da konstante östliche Winde sie in ihren Faltbooten einfach am Fortkommen hinderten. Nach 9 Tagen gaben sie – nachdem sie sich nur ca. 280 km vom Startort entfernt hatten - in Höhe der Niederlande entnervt auf. (s. Seekajak, Nr. 11/87)

Last and Least sollten wenigstens am Rande die vielen „Rallye-Racer“ :cool: Erwähnung finden, die es auch mal versuchen wollten und es nicht schafften, da sie allein auf ihre Kraft setzten. Wie z.B. jene drei Kanuten, die Helgoland von Altenbruch (östlich von Cuxhaven) aus Nonstop erreichen wollten, jedoch die Tide verschliefen, die Windprognose ignorierten und die Verkehrsbestimmungen missachteten. Sie starteten verspätet, fielen unterwegs unangenehm der Wasserschutzpolizei auf und mussten im Angesicht von Helgoland nach Neuwerk umkehren, als sich alles gegen sie wendete: Strom, Wind, Kondition & Magen.

Gruß aus Hamburg:

Exilfriese
25.04.2007, 13:31
Interessante Story, Udo, habe gleich eine diesbezügliche, empörte Mail an meinen Freund in England gesandt, worin ich meine Vermutung ausdrückte, daß es den Briten damals gar nicht um strategische Überlegungen ging bei der geplanten Sprengung Helgolands. Sondern, daß sie sich während des Krieges regelrecht daran gewöhnten, Deutschland zu bombardieren und 2 Jahre nach Kriegsende dann schwere Entzugserscheinungen bekamen und verzweifelt nach etwas Lohnendem suchten, das man in die Luft jagen konnte....

Bin gespannt auf seine Antwort...

Gruß Axel :-))

Werner Schmiedel
25.04.2007, 18:25
Da war ich ja noch vor Onkel Heinz dran.

Ich bin 1961 von Husum nach St. Peter und am nächsten Tag nach Helgoland gedaddelt. Damals mit meinem AE II. Nie wieder!

Und zwei Tage später nach Süden zurück. Als Kompass hatte ich meine Uhr, Gott sei Dank hat die Sonne geschienen.

Im Jahr vorher hatte ich Insel-Hopping geübt, war genau so bescheuert, aber mit 17 - 18 Jahren, keine Ahnung von Tide, Strömungen und so weiter... naja!

In Norddeich wurde ich dringendst davor gewarnt, nach Norderney zu fahren: "Die Strömung schaffst du nicht"

No, ich habs geschafft und sogar noch weiter, ein paar Inseln noch, und auch wieder zurück bis ich dann kurz vor Norddeich (Ostermarsch) aufgeben musste wegen zu starken Windes und Regens. Der Gastwirt im Ort hat dann mein Boot geholt und mich später nach Emden gefahren, von wo ich mit der Bahn meine Heimreise antrat.

Mein Equipement damals: Boot, Luma, Wolldecke und Klamotten im Matchsack!

Geschlafen habe ich, wenns regnete, unter meinem AE II, wie noch so oft.

Allein von diesen beiden Fahrten könnte ich Geschichten erzählen!

Hai, der Werner

Udo Beier (DKV)
26.04.2007, 21:55
Ahoi Werner,

beachtlich, was Du damals mit Deinem Aerius II ;) , einer Luma :) und einer Armbanduhr :cool: so alles angestellt hast.

Ich habe daher meinen Einleitungsbeitrag bzgl. der Helgoland-Chronologie reloaded.

Mich interessiert jedoch, ob - und wenn ja - mit welcher Karte Du Richtung Helgoland unterwegs warst und wohin Du von Helgoland aus gen Süd gepaddelt bist.

Gruß aus Hamburg:

Hauke
27.04.2007, 08:55
Moin, moin Werner,

wie konntest Du das nur Überleben? ;)

Da war ich ja noch vor Onkel Heinz dran.

Ich bin 1961 von Husum nach St. Peter und am nächsten Tag nach Helgoland gedaddelt. Damals mit meinem AE II. Nie wieder!

Und zwei Tage später nach Süden zurück. Als Kompass hatte ich meine Uhr, Gott sei Dank hat die Sonne geschienen.

......


Mein Equipement damals: Boot, Luma, Wolldecke und Klamotten im Matchsack!

Geschlafen habe ich, wenns regnete, unter meinem AE II, wie noch so oft.

Allein von diesen beiden Fahrten könnte ich Geschichten erzählen!

Hai, der Werner

Das alles ohne EPP, doppelt oder dreifach geschottetem Boot, etc ....
Wahrscheinlich Konntest Du das nur Überleben, weil Du wenigstens die
Ohrenqualle von der Lachmöve unterscheiden kannst. :D

Komisch das das damals alles möglich war, aber man heute nicht einmal
einen Befähigungsnachweis!!!!! wie den D-EPP ablegen kann, wenn man
nicht 35KG hochtechnisiertes Bootsmaterial nachweisen kann. :mad:

Aber es gibt ja noch mehr Paddler, alls die in der Liste , die nach Helgoland
gepaddelt sind. z.B. mitte der 90 Jahre Maike Brecht - damit die Frauen
in der Liste nicht vergessen werden :) - zusammen mit Kai Dibbern. Rückfahrt
mit der Fähre.

Möchte mal wissen wieviele von den Helgolandpadddlern
die D-EPPenmaterialliste erfüllt haben.

Naja, der stepp zum D-EPP darf halt nicht zu einfach sein. Schade nur, das
der D-EPP in ein paar Jahren das freie Paddeln einschränken wird.
Die ersten angebotenen Touren des DKV bei dennen der D-EPP vorgeschrieben
ist, werden nicht lange auf sie warten lassen. Aber laut Aussage von Udo wird
es durch den D-EPP ja keinenerlei, nienicht irgendwelche Beschränkungen geben. :mad:
Alles nur Hirngespinnste von Bedenkenträgern.

Aber das ist ja schon wieder OT. Böser Hauke >> Klaps auf die Finger<<

Wünsche allen ein super Paddelsommer,

Hauke

Werner Schmiedel
30.04.2007, 13:06
Hai Udo,

auf der Rückfahrt kam ich auf Wangerooge an (wurde mir jedenfalls gesagt und ich habs auch geglaubt :) ), paddelte dann am übernächsten Tag weiter nach Wilhelmshaven und fuhr dann straks mit dem Zug nach Hause. Ich hatte für das Jahr die Schnauze voll vom paddeln.

Ich denke, wie ich eine Uhr als Kompass nutzen kann, muss ich hier keinem erklären, und der Tag ist im Sommer lang, da sind 60 - 70 km mit einem leichtbeladenen AE II nicht die Welt. (Für einen jungen kräftigen Burschen, für mich heut schon)

Aber man braucht natürlich das Glück der Doofen um wirklich eine Woche schönstes und ruhigstes Wetter zu haben.

@ Hauke: Der AE II ist doppelt abgeschottet! Er hat zwei Lustschläuche, je einen rechts und links.

Nein, ich brauche, um eine Dummheit zu begehen keinen EPP aber auch mit EPP würde es mir nichts nützen, wenn ich in Schlechtwetter käme.

Grüsse vom Werner

Udo Beier (DKV)
01.05.2007, 20:25
Ahoi Werner,

danke für Deine Antwort. Leider hast Du noch nichts zur Karte geschrieben, die Du - sofern überhaupt - benutzt hast, als Du nach Helgoland und anschließend nach Wangerooge gepaddelt bist. Für mich hat Deine Auskunft zumindest historische Bedeutung ... und trägt u.U. zur Prägung unserer "Zuckersackbootfahrer" bei.:cool:

Gruß aus Hamburg:

Werner Schmiedel
02.05.2007, 12:17
Hai Udo,

war eine normale Karte von Norddeutschland, wenn ich mich recht erinnere, von wem weiss ich nicht mehr.

Gruss vom Werner

Hauke
03.05.2007, 08:51
Moin, moin Werner,

die Tour nach Helgoland und zurück ist schon eine tolle Leistung. Träume immer
noch davon, traue mich aber trotz anderer/besserer Ausrüstung noch nicht so
ganz.


@ Hauke: Der AE II ist doppelt abgeschottet! Er hat zwei Lustschläuche, je einen rechts und links.

Grüsse vom Werner

Leider muß ich Dich hier korrigieren. Auftriebskörper, Luftschäuche und
Rollschotten zählen laut EPP nicht als Abschottung.:mad: Aber Du hättest Glück
gehabt, weil Faltbootfahrer von der Abschottungspflicht befreit sind :)
Die Luftschäuche hätten gereicht. Aber ob man alleine im Zweier die Prüfung
ablegen dürfte?

Wünsche Dir noch viele schöne Touren,
Hauke

Werner Schmiedel
03.05.2007, 20:16
Hai Hauke,

Abschottung vorne, hinten, rechts oder links: für mich ist auch ein Lustschlauch eine Abschottung!

Ich hab (wegen Rollenprüfung) gesehen, wie einer allein im AE II die Rolle machte, im XL dann zu zweit, also, es geht, aber ich mache sie nicht, in keinem Boot!

Trotzdem denke ich noch einmal auf der Nordsee zu fahren, vielleicht im Ladoga? auch mit rechts - links - Abschottung.

Wäre eigentlich eine gute Idee: Ich fahre mit der Bahn nach Norddeich (diesmal ohne Stehschlafen und Gitarre kaufen in Emden) und dann nochmal Inselhopping wie vor 47 Jahren!

Wie die Zeit vergeht!

Ich denke darüber nach.

Grüsse vom Werner

Goldi
03.05.2007, 22:00
Abschottung vorne, hinten, rechts oder links: für mich ist auch ein Lustschlauch eine Abschottung!

Was ein Luftschlauch ist weiß ich ja - aber ein Lustschlauch? Ist das was unanständiges? Oder ist da der Lallohol drinnen? :confused: