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Vollständige Version anzeigen : Paddeltour auf dem Shannon


travelkai
14.06.2007, 21:50
Hallo zusammen,

für meine diesjährige Sommerpaddeltour ziehe ich eine Gepäcktour auf dem Shannon in betracht. Wer war schon vor Ort paddeln? Meine eigentliche Frage bezieht sich eher darauf, ob PADDELN vor lauter Haus –und Motorbooten überhaupt noch ein Naturerlebnis ist :rolleyes: oder sind meine Befürchtungen nicht gerechtfertigt? Wie sind Eure Erfahrungen, gibt es weitere Besonderheiten dort?

Gruß @ all Kai :)

Schlauchboot-Cowboy
31.08.2008, 16:33
Wir sind Mitte August 2008 ca. 50km von Boyle nach Tarmonbarry gepaddelt. Ich habe vorher versucht, mich zu informieren, aber einige Gesichtspunkte sind dabei nicht erwähnt worden, die nach den gewonnenen
Erfahrungen bei Ausrüstung und Planung berücksichtigt werden sollten:

1. Das Wetter(Es gibt kein schlechtes, sondern nur unpassende Ausrüstung):
Ich würde bei Wiederholung für die Tour einen kurzen Surfanzug mitnehmen. Wir haben nach 3 1/2 Tagen aufgehört, weil wir von den ständigen Regenschauern durchnäßt und ausgekühlt waren. Gleichermaßen sollte das Zelt im Regen schnell und problemlos auf- und abzubauen sein. Man muß damit rechnen, daß es nicht lange genug regenfrei ist, damit Sachen im Freien trocknen. Von Irland, der grünen Insel, sagen die Bewohner, daß es dort nur einmal regnet, dafür aber das ganze Jahr lang.

2. Das Boot:
Wir waren in einem aufblasbaren Gumotex Amigo 2er-Kajak unterwegs, was sich an den Umtragstellen der Wehre von Clarendon Lock, Jamestown (Shannonschleife), Rooskey und Tarmonbarry sehr bewährt hat wegen seines geringen Gewichts.Es ist nämlich eine ausgezeichnete Infrastruktur für die Motorbootfahrer mit Anlegestellen vor und nach den Wehren/Schleusen vorhanden, Paddler scheint es aber kaum zu geben. Wir haben also das Boot jeweils auf den Steg gehoben bzw. in Jamestown auf´s recht steile Ufer und danach wieder retour. Nach meinen früheren Erfahrungen mit einem Pouch- oder GFK-Boot wäre das eine rechte Plackerei geworden. Man hätte vielleicht schleusen können, aber da war jeweils beträchtlicher Andrang der Motorboote mit teils beängstigend geringen Fahrkünsten und auch feste Schleusen(-Warte)zeiten.
Eine richtige Treppe zum Ausstieg am rechten Brückenkopf mit Wasserhahn in Tarmonbarry ist leider mit einem Gitter versperrt.

3. Die Navigation:
Als grobe Orientierung war der Abschnitt Shannon/Boyle im DKV-Auslandsführer brauchbar, unverzichtbar ist aber die wasserabweisende Mappe der "Shannon Navigation Charts"(12EUR), die es im Touristenbüro an der Brückenburg in Athlone und wohl auch bei denen von Boyle, Portumna und Killaloe gibt. Der
Shell-Shannongewässerführer reicht nicht aus. Der Fluß weitet sich zu vielen Seen mit vielen Buchten, und ohne detaillierte Karte kann man lange nach einer z.T. unscheinbaren Ausfahrt suchen. Die Betonnung war im befahrenen Abschnitt ausreichend, aber gerade bei schlechterer Sicht muß man durch Blick auf die Karte schon ungefähr wissen, in welcher Richtung die Tonne zu suchen ist.
Hilfreich ist in dieser Lage, wenn man in der Ferne ein Motorboot ausmachen kann, das die Richtung markiert.

4. Der Fluß:
Der Shannon ist ein lohnendes Gewässer mit abwechslungsreicher Landschaft, alten Burgruinen, sauberem Wasser und ohne größere Schwierigkeiten für den Hobbypaddler (bisherige Erfahrungen Mulde, Moldau, Mildenitz, Müggelspree, Rhin, Regen, Saale, Unstrut, Warnow), wenn man sich bei den Seen am Rand hält, da es in Seemitte bei Wind rasch zu erheblich hohen Wellen kommt. Die Koexistenz mit den Motorbooten war unproblematisch. Die meisten Hobbykapitäne sind sich ihrer Heckwelle gar nicht bewußt (1 rühmliche Ausnahme nahm das Tempo weg), aber durch die Sammelfunktion der Schleusen kommt halt gelegentlich mal ein Pulk durch und dann hat man wieder himmlische Ruhe. Die Landschaft war menschenleer, industriefrei, spurloses Zelten möglich, und
ein- bis zweimal am Tag kommt ein Ort mit freundlichen Leuten und mit Laden, wo man sich wieder mit Lebensmitteln eindecken kann (Den Motorbootlern sei Dank).

5. Fazit:
Mit der richtigen Ausrüstung eine schöne Tour, man darf nur nicht zu sonnenhungrig sein.