Vollständige Version anzeigen : Fragen zu halbautomatischen...
Ralf Schmidt
19.01.2007, 06:52
.... zu automatischen/halbautomatischen Rettungswesten:
Bislang fahre ich ja Feststoff und habe mir jetzt eine Halbautomatik bestellt. So im Nachhinein sind mir dazu aber ein paar Fragen gekommen.
--> Kann man das Teil für Kenterübungen einfach per Mundventil aufblasen, oder ist das nur gedacht für die letzten Mililiter Luft? Ich will mir die sauteuren Patronen lieber für den Ernstfall aufheben. Oder kennt da jemand eine gute Quelle?
--> Bekommt man diese Westen einfach wieder verpackt?
--> Die Teile haben ja 150N Auftrieb, Feststoffwesten um die 50-70N. Kann man mit den 150N noch durchkentern?
--> Wie sieht es aus mit Schwimmen? Wird man da noch langsamer als mit Feststoffweste? Und: Die Teile drehen einen ja in eine stabile Rückenlage (bei Ohnmacht). Kann man das ausgleichen oder ist das wie auf dem Wulst eines Schlauchbootes zu liegen?
--> Paddeln mit AUFGEBLASENER Weste. Was ist nach Kenterung, Wiedereinstieg, und danach aufgeblasener Weste weiter? Geht das überhaupt? Ich will ja nicht nach der ersten Kenterung mit einem leeren Sack um den Hals weiterfahren.
--> Fragen über Fragen, habe ich noch etwas vergessen was diese Art Weste von Feststoffwesten unterscheidet? Oder ist alles halb so wild?
Bis dann,
Ralf Schmidt
Rainer Soentgen
19.01.2007, 10:30
Hallo Ralf,
jetzt stelle mir uns mal janz dumm und fangen gaaanz vorne an: watt is der Unterschied zwischen Feststoffweste und Automatik und wat will man damit bzw. wozu sind die da? Denn darauf basieren m.E. deine Fragen und meine Antworten.
Also: Bei Feststoff sind die Auftriebskörper immer da, bei Automatik oder Halbautomatik erst wenn sie aufgepustet sind. D.h. Feststoff: Auftrieb immer, Automatik: Auftrieb erst wenn aufgepustet.
Daraus folgt: Feststoffwesten "wirken" sofort wenn du im Wasser liegst (helfen also immer), Halbautomatikwesten erst, wenn du das willentlich willst. (Automatik sofort, besser ziemlich schnell bei Wasserkontakt, aber deshalb sind die im Kanu ja auch nicht zu gebrauchen, sonst würde man ja bei überkommender Welle vieleicht mit ausgelöster Weste da sitzen). Von daher: Feststoffwesten unterstützen das im Wasser sein immer, Halbautomaten sind mehr als letzte Hilfe gedacht, so wenn gar nichts mehr geht und man im Wasser bleiben muß. Dann wird ausgelöst und die aufgeblasene Halbautomatik trägt dich dann (ohnmachts)sicherer als eine normale Kajakfeststoffweste.
Und damit wären wir bei der allgemeinen Diskussion "Für und Wieder Feststoff / Halbautomat", die für mich eher ein sowohl als auch als ein entweder / oder ist und bei der Auswahl nach Einsatzbedingungen bzw. Einsatzgebiet oder bei einer Allroundweste (leichte Feststoffweste mit integriertem Halbautomat für den absoluten Notfall) endet, die es aber leider nicht gibt. Aber das ist ein anderes Kapitel.
Nun zu deinen Fragen:
Bei Kenterübungen mußt du daher (Halbautomat als letzte Rettung) die Weste nicht aufblasen. Solltest du auch nicht, da ausgelöster Automat sehr "unhandlich" (siehe unten) und Kenterübungen abträglich ist. Außer du übst die Situation, dass gar nichts mehr geht und du im Wasser bleiben mußt. Um dann auszuprogieren, wie sich das so "anfühlt", kannst du die Weste unproblematisch mit dem Mund aufpusten. (Mein Tip: du solltes dafür aber lieber auch eine Patrone opfern, damit du weißt, wie das ist, wenn du im Wasser bist und dat Dingen bläst sich auf.)
Beim Durchkentern haben nichtausgelöste Halbautomaten, weil kein Auftrieb, überhaupt keinen Wiederstand. Mit ausgelöster Weste kannst du nicht durchkentern, da bleibst du auf der Seite liegen.
Schwimmen mit ausgelöstem Automaten ist schwieriger als mit normalem Kajakfestoff. Bei letzterer befindet sich der Auftrieb ja rund um den Oberkörper, beim Automaten mehr im vorderen Rumpfbereich und als Wulst hinter dem Kopf. Also eher Rückenlage, daher aber auch ohnmachtssicher.
Paddeln mit aufgeblasener Weste? Geht zur Not so, scheuert am Hals, aber ist mehr ein optisches Problem: man gleicht da sehr einem balzenden Fregattvogel. Aber das tut man im "Normalfall" ja auch nicht, weil der Automat ist ja "nur" für den letzten Ausweg...
Zusammenfalten und wieder "scharf" machen im Boot? Davon mal abgesehen, dass, wenn du wieder ins Boot kommst, die Weste ja nicht auszulösen brauchst, ist das doch ein ziemlicher Ambach und hängt vom Einsatzgebiet ab.
Auf Flüssen oder in Ufernähe würde ich dazu eher an Land gehen. Denn das Prozedere - zuerst Gas ablassen (mußt du machen, sonst kriegst du die Weste sehr schwer aus), die Weste ausziehen, Ersatzpatrone und neuen Sicherungsstift einsetzen, Weste zusammenfalten und wieder anziehen - ist mir für im Boot zu stressig. Daher auf Großgewässern fernab jeden Landes nur bei Ententeich möglich (aber warum hätte ich da kentern bzw. wenn ich wieder ins Boot komme die Weste denn auslösen sollen?), bei "normalen" Kenterbedingungen m.E. unmöglich und auch unnötig. Denn da brauchst du die ausgelöste Weste ja vieleicht noch. Denn die Kenterbedingungen werden ja noch da und eine erneute Kenterung im Bereich des Möglichen sein. Und zudem ist es dann auch ziemlich egal, ob du Fregattvogel spielst oder nicht.
Und noch was am Rande: als Rollhilfe taugt ein Halbautomat überhaupt nicht. So nach dem Motto: ich hänge kopfunter im Boot, komme nicht hoch und will nicht aussteigen. Rolle geht aber auch nicht so richtig. Daher löse ich den Automaten aus, mit dem Gedanken, dass der Auftrieb mich hochdreht, so dass ich wieder mit dem Kopf über Wasser komme und von da aus eine bessere Position zum Aufrichten finde. Das klappt nicht! Im Gegenteil, davor muß dringend gewarnt werden: der Auftrieb der Weste drückt einen unten gegen das Boot. Jetzt ist sogar das Aussteigen zusätzlich sehr erschwert. Also wenn schon, entweder "normal" Hochrollen oder erst Aussteigen und dann, wenn man neben dem Boot schwimmt, und meint es ist nötig, Auslösen.
Schöne Grüße
Rainer
Ralf Schmidt
19.01.2007, 10:57
Hallo Rainer,
vielen Dank für die umfangreiche Antwort.
Wie ich mir schon gedacht hatte habe ich "zu kurz" gedacht. Für mich war der Hauptgrund für die halbautomatische Weste das angenehmere Tragen, insbesondere im Sommer, auf langen Strecken. Bei -10°C ist's mir lieber wenn die Weste mit festem Auftrieb schon an Ort und Stelle ist und ein bischen Winschutz an Brust und Rücken ist da ganz angenehm. Im Sommer finde ich die Feststoffwesten allerdings irgendwann störend, man schwitzt stärker darunter, es reibt...
Ok, zwischen meiner Überlegung "ist halt Angenehmer" und Deiner Schilderung der Unterschiede liegen wohl Welten :D
Bis dann,
Ralf Schmidt
Auch wo man Paddelt ist nicht unwesentlich, weil im WW mit dem Kopf gegen einen Stein geschleudert
Eine Weste schütze nicht nur vor kaltem Wind, sondern auch vor dicken Steinen,
falls man mal hinter dem Boot herschwimmt.
Gruß Thomas
Ralf Schmidt
20.01.2007, 19:42
Hallo,
für Hardcorebrandung oder Wildwasser würd eich mir auch nie eine Automatik kaufen, da paddelt man ja auch i.A. keine 10h am Stück. Das Nylonmaterial macht zwar einen robusten Eindruck, aber Steine? Nee, da baue ich lieber auf den festen Schaum der auch in Brocken noch Auftrieb liefert.
Aber, ich werde mit der Weste auf jeden Fall mal ein bischen experimentieren.
Das mit dem Aufrollen hatte ich mir eigentlich vorgestellt dass das gehen müsste, das ist aber nichts was ich unbedingt ausprobieren muss ;)
Bis dann,
Ralf Schmidt
eulekatz
07.05.2007, 15:29
Interessanter Beitrag:
Wir haben Feststoffwesten für WW, gut.
Unser Paddelrevier ist jedoch der Rhein. Wir werden und die Halbautomaten kaufen (kein Secumar, aber CE geprüft für 61 Euro minus 10 % Nachbarrabatt).
Es ist halt sicherer hier, eine Weste dabei zu haben.
Ich bin zwar noch nie auf dem Rhein umgefallen, aber irgendwann ist es immer das erste Mal (sagte de Jungfrau:D )
Günter
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